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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalendeireform

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von  nun  an  nach  dem  Nicaenischen  Canon  gefeiert  und  den
Astronomen  der  Auftrag  ertheilt  werden  sollte,  die  Ostertage
gemäss  diesem,  jedoch  mit  Zuhülfonahme  des  astronomischen
Calctils  zu  bestimmen.  Welche  Stellung  nimmt  nun  der  im
Mathematiker  vertretene  Kepler  ein?  Kr  verkennt  natürlich
nicht  im  mindesten  die  Fehler,  welche  der  Reform  anhaften,
aber  er  meint  doch,  dass  man  mit  ihr  ganz  zufrieden  sein
könne.  Besonders  hebt  er  hervor,  dass  die  Dauer  des  tropischen ­
  Jahres  richtig  angegeben  werde,  dies  haben  die  neueren
Untersuchungen  Tycho  de  Brahe’s  gelehrt,  der  aus  diesem
Grunde  auch  die  Reform  gutgeheissen  hat,  wenn  er  auch  damit
nicht  sagen  wollte,  dass  alles  übrige  völlig  fehlerfrei  sei.  Interessanter ­
  ist,  dass  Kepler  durchführt,  dass  die  Mathematiker
überhaupt  nichts  mit  dem  ganzen  Streite  zu  thun  haben.  Wenn
es  den  Theologen  gelüste,  Unfriede  und  Zwietracht  zu  stiften,
so  mögen  sie  dies  allein  ausfechten,  aber  die  Mathematiker
damit  verschonen.  Denn  ihr  Studium  sei  frei  von  Parteileidenschaft, ­
  nur  der  Wahrheit  und  dem  Wolde  der  Menschheit  gewidmet. ­
  Indem  sich  Kepler  durch  die  andern  einwerfen  lässt,
dass  ja  gerade  die  Mathematiker  den  Streit  begonnen  und  stets
darin  mitgesprochen  hätten,  erklärt  er,  dass  er  mit  einem  Mathematiker, ­
  der  mit  theologischen  und  politischen  Argumenten
hantirt,  und  der  sich  von  der  Obrigkeit  seine  Meinung  vorschreiben
  lässt,  nichts  zu  schaffen  haben  wolle,  denn  nur  derjenige ­
  gehöre  für  ihn  zu  seinen  Wissenschafts  -  Genossen,  der
einzig  und  allein  mit  Gründen  der  Mathematik  streitet  und
begründet.  Von  diesem  bitteren  Vorwurfe  spricht  Kepler  selbst
Clavius,  ja  selbst  seinen  Lehrer  Maestlin  nicht  frei.  Vor  der
Kalenderreform  war  dies  eine  andere  Sache,  damals  traten
Mathematiker  auf  und  bewiesen,  dass  der  Kalender  wirklich
ihrer  Wissenschaft  Hohn  sprechende  Hinrichtungen  zeige,  und
mit  vollem  Rechte  verlangten  sie  deren  Beseitigung.  Diese  sind
nun  entfernt  worden,  und  der  neue  Kalender  hat  weit  geringere
und  durchaus  keine  Anstoss  erregenden  Fehler  mehr.  Daher
ist  jetzt  in  der  Timt  die  mathematische  Verbesserung  überflüssig ­
  geworden,  und  daher  sollen  die  Vertreter  dieser  Wissenschaft ­
  dem  Streite  fern  bleiben;  denn  es  gezieme  ihnen  nicht,
der  Kirche  und  dem  Staate  Gesetze  vorzuschreiben,  indem  sie
das  kirchliche  und  bürgerliche  Jahr  genau  an  den  Lauf  der
            
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