Die Polemik über die Gregorianische Kalendeireform
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von nun an nach dem Nicaenischen Canon gefeiert und den
Astronomen der Auftrag ertheilt werden sollte, die Ostertage
gemäss diesem, jedoch mit Zuhülfonahme des astronomischen
Calctils zu bestimmen. Welche Stellung nimmt nun der im
Mathematiker vertretene Kepler ein? Kr verkennt natürlich
nicht im mindesten die Fehler, welche der Reform anhaften,
aber er meint doch, dass man mit ihr ganz zufrieden sein
könne. Besonders hebt er hervor, dass die Dauer des tropischen
Jahres richtig angegeben werde, dies haben die neueren
Untersuchungen Tycho de Brahe’s gelehrt, der aus diesem
Grunde auch die Reform gutgeheissen hat, wenn er auch damit
nicht sagen wollte, dass alles übrige völlig fehlerfrei sei. Interessanter
ist, dass Kepler durchführt, dass die Mathematiker
überhaupt nichts mit dem ganzen Streite zu thun haben. Wenn
es den Theologen gelüste, Unfriede und Zwietracht zu stiften,
so mögen sie dies allein ausfechten, aber die Mathematiker
damit verschonen. Denn ihr Studium sei frei von Parteileidenschaft,
nur der Wahrheit und dem Wolde der Menschheit gewidmet.
Indem sich Kepler durch die andern einwerfen lässt,
dass ja gerade die Mathematiker den Streit begonnen und stets
darin mitgesprochen hätten, erklärt er, dass er mit einem Mathematiker,
der mit theologischen und politischen Argumenten
hantirt, und der sich von der Obrigkeit seine Meinung vorschreiben
lässt, nichts zu schaffen haben wolle, denn nur derjenige
gehöre für ihn zu seinen Wissenschafts - Genossen, der
einzig und allein mit Gründen der Mathematik streitet und
begründet. Von diesem bitteren Vorwurfe spricht Kepler selbst
Clavius, ja selbst seinen Lehrer Maestlin nicht frei. Vor der
Kalenderreform war dies eine andere Sache, damals traten
Mathematiker auf und bewiesen, dass der Kalender wirklich
ihrer Wissenschaft Hohn sprechende Hinrichtungen zeige, und
mit vollem Rechte verlangten sie deren Beseitigung. Diese sind
nun entfernt worden, und der neue Kalender hat weit geringere
und durchaus keine Anstoss erregenden Fehler mehr. Daher
ist jetzt in der Timt die mathematische Verbesserung überflüssig
geworden, und daher sollen die Vertreter dieser Wissenschaft
dem Streite fern bleiben; denn es gezieme ihnen nicht,
der Kirche und dem Staate Gesetze vorzuschreiben, indem sie
das kirchliche und bürgerliche Jahr genau an den Lauf der