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Kaltenbrunner.
Allgemeinen mit der Reform einverstanden erklärt habe. Kepler
verhehlt sich nicht, wie misslich es sei, in dieser Sache noch neue
Gesichtspunkte hervorzuheben, aber er gibt sich doch der Hoffnung
hin, dass es trotzdem den streitenden Parteien nicht unangenehm
sein werde, die Wahrheit zu hören. Eigentlich —
meint Kepler — hätte er die beiden Hauptkämpfer, Clavius
und Maestlin einander gcgenüberstellen sollen, aber er fürchtete,
dass in den Gemüthern durch Erinnerung an die alte Leidenschaft
der alte Hass von Neuem angeregt, und dass das Gemüth
seines Freundes (Maestlin) dadurch unangenehm berührt würde.
So lässt er auf beiden Seiten je zwei — einen weltlichen und
einen geistlichen Beamten die Sache besprechen; damit aber
wäre es ihm selbst nicht möglich gewesen, seine eigene Meinung
auszusprechen, und so führt er als fünfte Person den
Mathematicus ein, der sich bald, als über den Parteien stehend,
der Leitung des Gesprächs bemächtigt. Wohl alle Gesichtspunkte,
die wir im Laufe des Streites haben aussprechen hören,
werden hier von den beiden Gegnern herangezogen; in manchen
Punkten hält sich hiebei der Mathematiker ganz vom Gespräche
fern, so bei der Berechtigung des Pabstes zur Reform. Ganz
entsprechend den Dimensionen und dem Resultate, welche die
Polemik genommen hatte, gelangen die Parteien zu keiner Einigung,
nachdem die Protestanten direct zugegeben hatten, dass,
auch wenn der Kalender vollständig frei von Fehlern wäre, sie
ihn doch wegen des päbstlichen Ursprungs zurückweisen würden.
Das weiteste Zugeständniss, das sie machen, ist, dass sie zustimmen,
wenn von Reichswegen beschlossen würde, dass Ostern
barlich gelangen lassen möchten 1 . Dasselbe Schriftstück findet sich auch
im Codex Vindob. 10704 fol. 88* und auch hier ist das Verhältniss der
beiden Redaetioneu so wie beim ,DiaIogus‘. — Ich muss es mir versagen,
diese und zahlreiche andere Arbeiten und Rechnungen, die von Kepler’s
Hand sich in dem Codex Vindob. 10704 finden, zu besprechen. Sie hängen
alle mit der zuletzt angeführten Schrift zusammen, sind also theils als
Vorstudien zu betrachten, theils haben sie den Zweck, eine Vereinbarung
zwischen den beiden Parteien herbeizuführen; sie liegen also schon jenseits
der Grenze, welche sich diese Arbeit gesetzt hat. Sehr auffallen muss
es aber, dass Frisch, der auf der Wiener Bibliothek arbeitete, diesen
werthvollen und manches bisher unedirte Schriftstück Kcpler’s enthaltenden
Codex übersehen hat. Vielleicht komme ich auf denselben bei
anderer Gelegenheit noch zu sprechen.