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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunner.

es  so  für  gut  und  nützlich  halten.  Dabei  könnte  ja  auch  ein
Modus  der  Einführung  gefunden  werden,  welcher  den  Pabst
gänzlich  aus  dein  Spiele  lassen  und  einzig  auf  der  Vereinbarung
der  Reichsstände  und  dein  Gutachten  der  Mathematiker  beruhen
könnte.  Kepler  drückt  den  lebhaften  Wunsch  aus,  dass  seine
Glaubensgenossen  das  kommende  Jahr  1600  durch  diese  grosse
und  nützliche  That  verewigen  möchten.
Viel  wichtiger  für  uns  ist  aber  Kepler’s  ,Dialogus  de
Kalendario  Gregoriano', 1  weil  er  in  ihm  unumwunden,  frei
1  Dies  ist  der  Titel,  welchen  Kepler  dem  von  Frisch  a.  a.  O.  IV.  9  aus
einem  Manuscripte  Pulcavense  abgedruckten  Entwürfe  vorgesetzt  hat.
Zuerst  ist  derselbe  herausgegeben  worden  von  Hänschen  im  Jahre  1720
,jussu  atque  auspiciis  Caroli  VI.  e  manuscripto“.  Der  Zeitpunkt  der
Ausgabe  lässt  vermutlien,  dass  hiezu  der  Osterstreit  des  Jahres  172+
Veranlassung  gab  (vgl.  Piper  a.  a.  O.  pap.  27  u.  11'.).  Ihr  liegt  eine
lateinische  Redaction  mit  ausführlichem  Titel  vor,  welche  auch  sonst
wesentliche  Unterschiede  mit  der  Redaction  A  (Pule.)  aufweist.  In  der
Ausgabe  von  Frisch  sind  diese  Abweichungen  und  die  vielen  Zusätze  im
Petitdruck  wiodergegeben.  Hänschen  führt  nicht  an,  woher  er  sein
Manuscript  genommen  habe,  und  Frisch  vermag  dies  ebenfalls  nicht
anzugeben;  er  lässt  es  auch  dahingestellt,  ob  Hänschen  nicht  etwa  ein
deutsches  Manuscript  Vorgelegen  habe,  welches  er  dann  —  wie  öfter  —
ins  Latein  übersetzt  hätte.  Sicher  constatirt  aber  auch  Frisch,  dass  hier
eine  Umarbeitung  der  Red.  Pule,  vorliegt,  welche  ihrerseits  nur  ein  Entwurf
ist,  was  neben  der  äusseren  Form  auch  der  Umstand  beweist,  dass  sie
am  Ende  mitten  in  einem  Satze  abbricht.  Nun  befindet  sich  im  Codex
Vindob.  10704  fol.  1  —  70  ebenfalls  der  Dialogus,  und  zwar  in  einer  Form,
welche  auf  das  Verhältniss  der  Redactionon  ein  neues  Licht  wirft,  und
einen  interessanten  Einblick  in  die  Arbeitsmethode  Kepler’s  gewährt.
Zunächst  stellt  sich  die  Red.  Vind.  dar,  als  die  in  einem  Zuge  gemachte,
mit  einigen  stilistischen  Aenderungen  versehene  Reinschrift  der  Red.  Pule,
sammt  einem  gleich  unten  anzuführenden,  dem  Zwecke  der  Abfassung
entsprechenden  Titel.  Auch  der  in  der  Red.  Pule,  fohlende  Schluss  des
letzten  Satzes  ist  nun  beigefiigt.  Hierauf  brachte  Kepler  auf  der  anderen
Hälfte  der  gefalzten  Seiten  in  einem  Zuge  zahlreiche  Verbesserungen
und  Erweiterungen  an,  und  fügte  ausserdem  ein  passendes  Schlusswort
hinzu.  Dieser  Redac.  Vind.  liegt  dann  die  Rede  Hansch.  zu  Grunde  und
zwar  ist  ihre  Uebersctzung  im  engen  Anschlüsse  an  die  Vorlage  gemacht.
Daran,  dass  Hänschen  erst  diese  ITebersetzung  besorgt  habe,  ist  nicht
zu  denken,  denn  in  der  Red.  Hansch.  finden  sich  Stellen,  welche  die
Red.  Vind.  nicht  hat,  und  auch  der  umgekehrte  Fall  tritt  einmal  ein
Somit  hat  Kepler  zweimal  sein  Werk  umgearbeitet,  und  dennoch  hat  er
es  nicht  der  Oeffentlichkeit  übergeben.  Dass  er  die  Absicht  hiezu  hatte,
geht  schon  aus  dem  Titel  der  Red.  Vind.  hervor.  Er  lautet:  ,Ein  Gespräch
            
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