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Kaltenbrunner.
es so für gut und nützlich halten. Dabei könnte ja auch ein
Modus der Einführung gefunden werden, welcher den Pabst
gänzlich aus dein Spiele lassen und einzig auf der Vereinbarung
der Reichsstände und dein Gutachten der Mathematiker beruhen
könnte. Kepler drückt den lebhaften Wunsch aus, dass seine
Glaubensgenossen das kommende Jahr 1600 durch diese grosse
und nützliche That verewigen möchten.
Viel wichtiger für uns ist aber Kepler’s ,Dialogus de
Kalendario Gregoriano', 1 weil er in ihm unumwunden, frei
1 Dies ist der Titel, welchen Kepler dem von Frisch a. a. O. IV. 9 aus
einem Manuscripte Pulcavense abgedruckten Entwürfe vorgesetzt hat.
Zuerst ist derselbe herausgegeben worden von Hänschen im Jahre 1720
,jussu atque auspiciis Caroli VI. e manuscripto“. Der Zeitpunkt der
Ausgabe lässt vermutlien, dass hiezu der Osterstreit des Jahres 172+
Veranlassung gab (vgl. Piper a. a. O. pap. 27 u. 11'.). Ihr liegt eine
lateinische Redaction mit ausführlichem Titel vor, welche auch sonst
wesentliche Unterschiede mit der Redaction A (Pule.) aufweist. In der
Ausgabe von Frisch sind diese Abweichungen und die vielen Zusätze im
Petitdruck wiodergegeben. Hänschen führt nicht an, woher er sein
Manuscript genommen habe, und Frisch vermag dies ebenfalls nicht
anzugeben; er lässt es auch dahingestellt, ob Hänschen nicht etwa ein
deutsches Manuscript Vorgelegen habe, welches er dann — wie öfter —
ins Latein übersetzt hätte. Sicher constatirt aber auch Frisch, dass hier
eine Umarbeitung der Red. Pule, vorliegt, welche ihrerseits nur ein Entwurf
ist, was neben der äusseren Form auch der Umstand beweist, dass sie
am Ende mitten in einem Satze abbricht. Nun befindet sich im Codex
Vindob. 10704 fol. 1 — 70 ebenfalls der Dialogus, und zwar in einer Form,
welche auf das Verhältniss der Redactionon ein neues Licht wirft, und
einen interessanten Einblick in die Arbeitsmethode Kepler’s gewährt.
Zunächst stellt sich die Red. Vind. dar, als die in einem Zuge gemachte,
mit einigen stilistischen Aenderungen versehene Reinschrift der Red. Pule,
sammt einem gleich unten anzuführenden, dem Zwecke der Abfassung
entsprechenden Titel. Auch der in der Red. Pule, fohlende Schluss des
letzten Satzes ist nun beigefiigt. Hierauf brachte Kepler auf der anderen
Hälfte der gefalzten Seiten in einem Zuge zahlreiche Verbesserungen
und Erweiterungen an, und fügte ausserdem ein passendes Schlusswort
hinzu. Dieser Redac. Vind. liegt dann die Rede Hansch. zu Grunde und
zwar ist ihre Uebersctzung im engen Anschlüsse an die Vorlage gemacht.
Daran, dass Hänschen erst diese ITebersetzung besorgt habe, ist nicht
zu denken, denn in der Red. Hansch. finden sich Stellen, welche die
Red. Vind. nicht hat, und auch der umgekehrte Fall tritt einmal ein
Somit hat Kepler zweimal sein Werk umgearbeitet, und dennoch hat er
es nicht der Oeffentlichkeit übergeben. Dass er die Absicht hiezu hatte,
geht schon aus dem Titel der Red. Vind. hervor. Er lautet: ,Ein Gespräch