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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kalten  brunner.

hervor,  welche  Stellung  Brahe  gegenüber  der  ganzen  Frage
einnahm.  Er  hat  es  erkannt,  dass  es  den  Protestanten  nicht
um  die  Sache,  sondern  um  den  Autor  des  Kalenders  zu  thun
war;  sein  definitives  Urtheil  über  die  Reform  hält  er  übrigens
seiner  Briefe  159(3  zu  Uraniburg  herausgegeben,  und  zwar  ist  in  demselben
enthalten  seine  Correspondenz  mit  dem  Landgrafen  Philipp  v.  Hessen.
Der  Codex  10686 66  nun  ist  ohne  Zweifel  das  zum  Drucke  vorbereitete
Manuscript  des  zweiten  Bandes  der  Sammlung.  Ganz  entsprechend  der
von  Anfang  an  ins  Auge  gefassten  Disposition  nach  Persönlichkeiten
ist  derselbe  geordnet,  und  zwar  enthält  er  —  wie  der  erste  gedruckte
Band  —  ein-  und  auslaufende  Briefe,  welche  letztere  meist  mit  der
Ueberschrift:  ,responsio  mea  ad  hanc  epistolara'  versehen  sind.  Die
Anlage  ist  derart,  dass  Brahe  von  verschiedenen  Schreibern  die  einzelnen ­
  Correspondenz-Gruppen  copiren  liess  —  er  selbst  hatte  vorher
schon  eine  Vorrede  verfasst,  welche  den  Plan  des  Ganzen  auseinandersetzt ­
  und  bereits  den  Abschriften  vorangestellt  ist.  Keiner  der  hier
enthaltenen  Briefe  geht  über  das  Jahr  1590  hinaus  —  um  diese  Zeit
muss  also  das  Unternehmen  ins  Stocken  gerathen  sein,  denn  namentlich ­
  die  Correspondenz  mit  Thaddaeus  Hagecius,  die  auch  im  Codex
schon  den  grössten  Platz  einnimmt,  geht  bis  kurz  an  den  Tod  Brahe’s
heran,  und  alle  diese  Briefe  finden  sich  nun  im  Gesammt  -  Codex  zerstreut ­
  im  Originale  vor,  während  die  bereits  abgeschriebenen  nicht  mehr
im  Originale  vorhanden  sind.  Ganz  das  gleiche  Verhältniss  ergibt  sich
bei  dem  Codex  106  8  6 7 .  Nach  dem  Tode  Brahe’s  im  Jahre  1601  gelangte
dieser  literarische  Nachlass  an  die  Erben,  und  nun  wurde  der  Plan  des
Verstorbenen,  die  Briefe  herauszugeben,  wieder  aufgenommen.  Es  wurde
nun  das  im  Codex  10686 10-11  stehende  Repertorium  der  Briefe  zusammengestellt. ­
  So  weit  die  Abschriften  reichen,  schliesst  sich  dasselbe  enge
an  die  Codd.  10686 66  und  10686 7  an,  nur  reiht  es  einige  ausgelassene
—  nun  im  Originale  befindliche  —  Briefe  ein,  und  verzeichnet  auch  die
Briefe  von  1590  an  bis  an  den  Tod  Brahe’s  hinan.  Das  Repertorium  ist
in  einem  Zuge  angelegt  und  es  kann  an  keine  nachträglichen  Eintragungen
gedacht  werden.  Dieselbe  Hand  arbeitete  nun  auch  am  Codex  10686 66 ,
indem  sie  einerseits  Randglossen  zur  Uebersicht  bei  längeren  Briefen
anlegte,  andererseits  Notizen  für  den  Drucker  anbrachte  (z.  B.  steht
fol.  43 a :  ,dies  soll  in  klein  cursiv  gesetzet  werden 4 ).  Der  Codex  10686 7
dagegen  ist  auf  diese  Weise  nicht  revidirt  worden.  Es  fragt  sich  nun,
wer  dieser  Ordner  des  Nachlasses  war?  Hiebei  fällt  sogleich  auf,  dass
uns  in  den  Papieren  so  häufig  der  Name  Kepler’s  begegnet.  Doch
wäre  dies  an  sich  noch  nichts  bedeutend,  denn  einerseits  konnte  ja  Brahe
Arbeiten  Kepler’s  leicht  in  seinem  Besitze  haben,  da  derselbe  im  Jahre
1600  vier  Monate  auf  der  Sternwarte  des  ersteren  gearbeitet  hatte  —
daher  konnte  z.  B.  das  Autograph  Kepler’s  im  Codex  10686 32-34  auf  diese
Weise  in  die  Sammlung  gekommen  sein  —,  andererseits  brauchte  der
Umstand,  dass  Concepte  und  Abschriften  von  Verträgen  zwischen  den
            
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