574
Kalten brunner.
hervor, welche Stellung Brahe gegenüber der ganzen Frage
einnahm. Er hat es erkannt, dass es den Protestanten nicht
um die Sache, sondern um den Autor des Kalenders zu thun
war; sein definitives Urtheil über die Reform hält er übrigens
seiner Briefe 159(3 zu Uraniburg herausgegeben, und zwar ist in demselben
enthalten seine Correspondenz mit dem Landgrafen Philipp v. Hessen.
Der Codex 10686 66 nun ist ohne Zweifel das zum Drucke vorbereitete
Manuscript des zweiten Bandes der Sammlung. Ganz entsprechend der
von Anfang an ins Auge gefassten Disposition nach Persönlichkeiten
ist derselbe geordnet, und zwar enthält er — wie der erste gedruckte
Band — ein- und auslaufende Briefe, welche letztere meist mit der
Ueberschrift: ,responsio mea ad hanc epistolara' versehen sind. Die
Anlage ist derart, dass Brahe von verschiedenen Schreibern die einzelnen
Correspondenz-Gruppen copiren liess — er selbst hatte vorher
schon eine Vorrede verfasst, welche den Plan des Ganzen auseinandersetzt
und bereits den Abschriften vorangestellt ist. Keiner der hier
enthaltenen Briefe geht über das Jahr 1590 hinaus — um diese Zeit
muss also das Unternehmen ins Stocken gerathen sein, denn namentlich
die Correspondenz mit Thaddaeus Hagecius, die auch im Codex
schon den grössten Platz einnimmt, geht bis kurz an den Tod Brahe’s
heran, und alle diese Briefe finden sich nun im Gesammt - Codex zerstreut
im Originale vor, während die bereits abgeschriebenen nicht mehr
im Originale vorhanden sind. Ganz das gleiche Verhältniss ergibt sich
bei dem Codex 106 8 6 7 . Nach dem Tode Brahe’s im Jahre 1601 gelangte
dieser literarische Nachlass an die Erben, und nun wurde der Plan des
Verstorbenen, die Briefe herauszugeben, wieder aufgenommen. Es wurde
nun das im Codex 10686 10-11 stehende Repertorium der Briefe zusammengestellt.
So weit die Abschriften reichen, schliesst sich dasselbe enge
an die Codd. 10686 66 und 10686 7 an, nur reiht es einige ausgelassene
— nun im Originale befindliche — Briefe ein, und verzeichnet auch die
Briefe von 1590 an bis an den Tod Brahe’s hinan. Das Repertorium ist
in einem Zuge angelegt und es kann an keine nachträglichen Eintragungen
gedacht werden. Dieselbe Hand arbeitete nun auch am Codex 10686 66 ,
indem sie einerseits Randglossen zur Uebersicht bei längeren Briefen
anlegte, andererseits Notizen für den Drucker anbrachte (z. B. steht
fol. 43 a : ,dies soll in klein cursiv gesetzet werden 4 ). Der Codex 10686 7
dagegen ist auf diese Weise nicht revidirt worden. Es fragt sich nun,
wer dieser Ordner des Nachlasses war? Hiebei fällt sogleich auf, dass
uns in den Papieren so häufig der Name Kepler’s begegnet. Doch
wäre dies an sich noch nichts bedeutend, denn einerseits konnte ja Brahe
Arbeiten Kepler’s leicht in seinem Besitze haben, da derselbe im Jahre
1600 vier Monate auf der Sternwarte des ersteren gearbeitet hatte —
daher konnte z. B. das Autograph Kepler’s im Codex 10686 32-34 auf diese
Weise in die Sammlung gekommen sein —, andererseits brauchte der
Umstand, dass Concepte und Abschriften von Verträgen zwischen den