Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

572

Kaltcnbrunner.

Clemens  Vlll.  gedenken.  Das  Breve  (dat.  Rom  16./6.  März  1603)
gestellt  selbst  zu,  dass  in  dem  Kalender  Fehler  Vorkommen,
da  eben  eine  cyclische  Rechnung  nicht  frei  davon  sein  könne;
aber  es  komme  dies  im  Gregorianischen  Kalender  seltener  vor,
als  in  allen  andern.  Als  Grund  zur  Abfassung  des  Werkes  dos
Clavius  werden  die  unerhörten  Angriffe,  die  der  Kalender  erfahren, ­
  bezeichnet  und  ausdrücklich  wird  hier  Vieta  hervorgehoben, ­
  dessen  Kalender  durch  die  charakteristischen  Merkmale ­
  gekennzeichnet  und  verboten  wird.
Mit  diesem  grossen  Werke  hatte  Clavius,  der  schon  im
hohen  Alter  stand,  seine  Lebensaufgabe  erfüllt.  25  Jahre  lang
hatte  er  sich  der  Kalenderfrage  gewidmet;  aber  auch  jetzt  noch
glaubte  er  sich  keine  Ruhe  gönnen  zu  können.  Wir  haben  gesehen, ­
  wie  er  nochmals  die  Feder  gegen  Scaliger  ergriff,  und
kaum  war  diese  Schrift  fertig,  so  ereilte  ihn  die  Kunde  von
einem  neuen  Angriff,  nämlich  von  Georgius  Germanus.  Jetzt
aber  stimmt  Clavius  seinen  Schwanengesang  an. 1  Er  klagt,  dass
er  —  der  Greis  —  von  Arbeit  zu  Arbeit  geschleppt  werde,  um
die  Belagerungsmaschinen,  die  immer  und  immer  wieder  von
neuem  gegen  seine  feste  Burg  aufgeführt  werden,  zu  erschüttern
und  zu  zertrümmern.  Zu  Germanus  übergehend  sagt  er  diesem,
dass  es  ihm  wenig  fromme,  wenn  er  von  ihm  als  der  beste
Mathematiker  seinerZeit  bezeichnet  werde;  wollte  er  mit  diesem
Lobspruch  das  beigebrachte  Gift  versüssen,  so  möge  er  wissen,
dass  dies  für  ihn,  den  alten  Mann,  werthlos  sei;  er  schäle  den
Kern  hervor,  und  dieser  sei,  dass  ihm  abermals  ein  Gegner
erwachsen  sei,  und  noch  dazu  ein  angeblicher  Katholike,  den
das  neuerliche  päbstliche  Verbot  hätte  abhalten  sollen,  gegen
den  Kalender  zu  schreiben;  übrigens  bezweifelt  Clavius  den
Katholieismus  des  Germanus,  da  derselbe  sein  Buch  dem  David
Origanus  gewidmet  hatte.  Was  nun  die  sachliche  Erwiderung
anbelangt,  so  ist  in  den  meisten  Punkten  Clavius  glücklich,  nur
hätte  er  es  unterlassen  sollen,  dem  Kalender  des  Germanus
falsche  Osteransätze  nachzuweisen,  nachdem  er  wie  in  allen
seinen  Schriften  so  auch  hier  wieder  betont  hatte,  dass  gewisse
Fehler  sich  durchaus  nicht  vermeiden  lassen.  Die  Art  der

1  ConfutatioKaleiidariiGeorgiiGermaniWartenbergenisBorussi.  Mainz.  1610.
(auch  im  5.  Band  der  Opera  mit  separater  Paginirung).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.