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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunn  er.

Clavius,  wenn  er  meint,  dass  man  die  Gedächtnisstage  der  Heiligen, ­
  die  doch  meist  vor  oder  zur  Zeit  des  Nicaenischen  Concils
gelebt  haben,  wieder  richtig  stellen  wollte;  als  ob  gleich  nach
dem  Martyrium  oder  Tode  eines  Heiligen  sein  Gedächtnisstag
in  den  Kalender  eingezeichnet  worden  wäre.
Abgesehen  aber  von  diesen  vereinzelten  Zusätzen  ist  die
Explicatio  bis  zum  Capitel  XXIV  eine  Umarbeitung  der  Apologie. ­
  1  Aber  der  allgemeine  Charakter  ist  dadurch  gewahrt,
dass  nun  die  früher  gegen  Maestlin  gerichteten  Entgegnungen
verallgemeinert  sind,  was  so  weit  geht,  dass  niemals  des  Maestlin ­
  Erwähnung  geschieht.  Die  äussere  Anlage  ist  insofern
verändert,  als  eine  fortlaufende  Capitelzählung  eingeführt  ist,
während  die  Apologie  in  drei  Bücher  getheilt  ist.
Erst  vom  24.  Capitel  an  bis  zum  Schluss  tritt  eine  Aenderung
  ein;  es  ist  dies  aber  eigentlich  ein  Anhang,  wie  aus  der
pag.  568  Anmerkung  1  angeführten  Bemerkung  des  Clavius
hervorgeht.  War  der  erste  Theil  der  Gesammtheit  der  Gegner
und  aller  derer,  welche  Aufklärung  über  den  Kalender  wünschten,
gewidmet  gewesen,  so  beschäftigt  sich  dieser  zweite  mit  jenen,
die  Clavius  einer  besondern  Entgegnung  für  würdig  hält.  Einen
derselben  haben  wir  schon  in  Scaliger  kennen  gelernt,  der  andere
ist  Franciscus  Vieta.  Clavius  meint,  es  könne  kaum  neben  den
Kalendern  Gregor’s,  Scaliger’s  und  Vieta’s  ein  vierter  ausgedacht
werden,  indem  er  nun  beweise,  dass  der  erstere  unter  den  drei
der  beste  sei,  habe  er  seine  Tüchtigkeit,  ja  allgemeine  Gültigkeit ­
  nachgewiesen.  Es  ist  klar,  dass  Clavius  dem  Vieta  die  bittersten ­
  Vorwürfe  über  sein  allerdings  etwas  sonderbares  Vorgehen ­
  macht,  seinen  Kalender  als  den  richtigen  Gregorianischen
hinzustellen,  und  dies  durch  dessen  Bulle  bekräftigen  zu  lassen.
Clavius  meint,  dass  er,  'der  10  Jahre  an  der  Reform  gearbeitet
und  fast  ebenso  lange  in  directem  Verkehr  mit  Gregor  XIII.
gestanden  habe,  wohl  am  besten  wissen  werde,  was  die  Intentionen ­
  des  Pabstes  gewesen  seien.  Stets  habe  dieser  betont,  er
wolle  so  wenig  wie  möglich  an  den  alten  Kalenderregeln  geändert
1  Clavius  spricht  dies  auch  in  der  Vorrede  mit  folgenden  Worten  aus:  ,Et
quoniam  anno  1588  adversus  haereticum  quendam  satis  longam  novi  Kalendarii
  Apologiarn  edidimus  transferimus  ex  ea  in  hoc  volumen
omnia  quae  huic  rei  utilia  atque  opportuna  iudicavimus‘.
            
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