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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunncr.

gehässig 1  geworden  war.  Kein  Wunder  ist  es  daher,  dass  nun  auch
Clavius  aus  seinem  ruhigen  Ton  herausfällt,  und  thoilweise  in
der  heftigsten  Weise  seinen  Gegner  bekämpft.  Da  im  übrigen
Scaliger  nichts  neues  vorgebracht  hatte,  so  ist  auch  die  Erwiderung ­
  des  Clavius  für  uns  von  keiner  weiteren  Bedeutung,
und  wir  haben  nur  aus  den  beiden  Schriften  das  traurige  Schauspiel ­
  genossen,  dass  zwei  hochbedeutende  Männer  einander  in
unwürdiger  Weise  bekämpfen,  nachdem  gerade  ihr  früheres
Verhalten  zu  einander  der  einzige  Lichtblick  in  diesem  Bilde
voll  Hass  und  Geifer  gewesen  ist.
Ich  habe  schon  mehrmals  das  Hauptwerk  des  Clavius,  die
ItiOo  zu  Rom  erschienene  Explicatio  Romani  Kalendarii  a  Gregorio
  XIII.  P.  M.  restituti 1  zu  erwähnen  gehabt,  und  es  handelt
sich  nun  darum,  dessen  Werth  und  Bedeutung,  sowie  seine  Stellung ­
  innerhalb  der  Polemik  festzustellen.  Wir  haben  mehrmals
den  Vorwurf  erheben  gehört,  dass  der  Gregorianische  Kalender
ohne  Begründung  in  die  Welt  gesandt  worden  sei,  und  gesehen,
wie  auch  in  Rom  die  Nothwendigkeit  hiefür  durch  das  von
Anfang  an  gemachte  Versprechen  anerkannt  wurde,  dass  demnächst
eine  solche  erscheinen  werde.  Nun  war  ja  von  dem  Hauptarbeiter
der  Commission  im  Jahre  1588  die  Apologia  erschienen,  in  der
das  ganze  Wesen  der  Reform  weitläufig  auseinandergesetzt
wurde.  War  es  also  noch  nöthig,  neuerdings  ein  Werk  darüber
herauszugeben,  zumal  da  der  nunmehrige  Plauptgegner  —•  Scaliger ­
  —  schon  in  einem  Separatbuche  bekämpft  und  widerlegt

1  In  Rom  muss  man  bis  kurz  vor  Erscheinen  des  Werkes  die  Absicht
gehabt  haben,  dafür  jenen  von  Gregor  XIII.  in  den  Canones  angegebenen ­
  Titel:  ,Liber  novae  rationis  restituendi  Kalendarii  Romani“  anzuwenden. ­
  Denn  Vieta  schreibt  in  seiner  zweiten  Schrift  gegen  Clavius,
dieser  habe  in  mehreren  Briefen  erwähnt,  er  habe  sein  (Vieta’s)  Buch
klar  widerlegt  in  dem  ,Liber  novae  rationis  restituendi  Kalendarii  a.liquando
  si  Deo  plaeuerit  in  lucem  emitendus 1 .  Dies  gibt  Castellani,  den
wir  noch  als  Gegner  Vieta's  kennen  lernen  werden,  für  einen  Brief  an
den  Dr.  Adrianus  in  Rom  zu,  indem  er  sich  dabei  direct  auf  Clavius
beruft.  Nun  ist  die  erste  Widerlegung  des  Vieta  in  der  Explicatio  und
zwar  nach  Angabe  des  Clavius  nach  Schluss  des  Haupttheiles  geschrieben
(,Absolveram  jam,  Deo  bene  juvante,  librum  hunc  [Explicationum]  eumque
proelo  propediem  mandare  decreveram,  ecce  in  manus  provenit  Vietae
über“.)  Also  erst  um  1603,  dem  Jahre  des  Erscheinens  der  Explicatio,
muss  diese  Aenderung  des  Titels  eingetreten  sein.
            
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