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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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so  nennt  Scaliger  die  Culminirung'  von  Epacte  XXV,  XXIV
lächerlich  und  vergisst  dabei  ganz,  dass  er  ja  die  gleiche  Massregel
  bei  Epacte  *  XXIX  anwendet.  In  gleicherweise  ist  auch
Clavius  seinem  Gegner  in  der  Frage  nach  der  Dauer  der  lunaren
Aequationsperiode  überlegen,  dagegen  müssen  wir  dem  Scaliger
bezüglich  seiner  Ansicht  über  den  Ostervollmond  die  Superiorität
  einräumen;  Scaliger  war  da  recht  auf  seinem  Gebiete,
hatte  massenhaftes  Material  zur  Verfügung  und  konnte  seinen
bekannten  Scharfsinn  erproben;  hier  reicht  Clavius  nicht  hinan,
und  er  führt  in  der  That  kein  anderes  stichhältiges"  Argument
dagegen  an,  als  dass  man  sich  in  Rom  möglichst  an  die
Regeln  der  mittelalterlichen  Computisten  halten  wollte.  Zum
Schlüsse  spricht  Clavius,  nachdem  er  seinen  Gegner  freundschaftlichst
  ermahnt  hat,  von  seiner  unnützen  Opposition  abzustehen, ­
  zum  ersten  und  letzten  Male  über  die  Motive  der
Angriffe  gegen  den  Kalender,  und  sieht  da  aber  von  Scaliger,  den
er  nicht  mitzurechnen  scheint,  ab.  Nach  seiner  Meinung  steht  es
fest,  dass  die  Sachsen  •—  womit  er  wohl  die  deutschen  Protestanten ­
  meint  —  die  Engländer  und  Dänen  nicht  deshalb  den
Kalender  zurückgewiesen  haben,  weil  er  fehlerhaft  sei,  sondern
nur,  weil  er  vom  Pabste  kam.  Der  Kalender  gefalle,  der  Autor
werde  gehasst.
Zum  zweiten  Male  schreibt  Clavius  gegen  Scaliger  in  der
Explicatio. 1  Da  zwischen  der  eben  besprochenen  Schrift  und
ihrem  Erscheinen  keine  Antwort  des  Scaliger  erfolgt  war,  so
ist  das  lediglich  eine  Wiederholung,  respective  eine  Zusammenfassung ­
  der  ersten  Entgegnung;  in  der  Form  dagegen  variiren
beide  Redactionen  wesentlich,  indem  in  der  zweiten  der  Text
Scaliger’s  weggelassen  ist  und  die  Glossen  zu  einem  einheitlichen ­
  Ganzen  verarbeitet  sind.
Jener  dritte  Angriff  Scaliger’s  in  der  Ausgabe  des  Chronicon
  Eusebii  veranlasste  Clavius  nochmals  gegen  ihn  zu
schreiben. 2  Wir  haben  gesehen,  dass  Scaliger  inzwischen  die
schönen  Worte  in  der  Vorrede  zu  seinem  Elenchus  vergessen
hatte  und  seiner  leidigen  Gewohnheit  gemäss  hochfahrend  und
1  Cap.  XXIV.  Confutantur  alii,  qui  Gregorianum  Kalendarium  oppugnarunt.
2  Responsio  ad  convicia  et  calumnias  J.  Scaligeri  in  Kalendarium  Gregorianum. ­
  Mainz  1609.
            
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