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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunner.

Die  bisher  betrachteten  Angriffe  der  Mathematiker  waren
gegen  das  Wesen  der  Reform  gerichtet;  es  machte  sich  bei
ihnen  ein  principieller  Gegensatz  bemerkbar,  mit  dem  es  kein
Paktiren  gab.  Ganz  anders  ist  dies  bei  den  nun  zu  betrachtenden ­
  Schriften.  Ihre  Tendenz  geht  dahin,  auf  dem  Boden
der  gemachten  Reform  stehend,  dieselbe  genau  zu  prüfen  und
Verbesserungen  an  derselben  anzubringen,  oder  sie  stellen  —
wenigstens  das  Princip  beibehaltend  —  neue  Correcturen  auf.
Den  Anfang  hiemit  macht  ein  Mann,  der  unbedingt  einer  der  bedeutendsten ­
  Gelehrten  seiner  Zeit  war,  wenn  er  auch  leider
durch  Ueberhastung  das  im  riesigen  Umfange  zusammengetragene ­
  Material  nicht  immer  richtig  verwerthete.  Es  ist  Josef
Scaliger,  der  in  der  Gelehrten-Welt  jener  Zeit  fast  unumschränktes ­
  Ansehen  genoss,  bis  ihm  in  Dionysius  Petavius  ein
überlegener  Gegner  erwuchs,  der  mit  grossem  Scharfsinn,  aber
auch  schonungsloser  und  zum  Tlieil  ungerechter  Härte  Blatt
für  Blatt  aus  dem  Ruhmeskranze  Scaliger’s  vernichtete.
Im  Jahre  1583  erschien  zu  Lüttich  Scaliger’s  grosses  Werk
,De  emendatione  temporund,  worin  zum  ersten  Male  der  Versuch
gemacht  wird,  systematisch  die  Zeitrechnungen  der  verschiedenen ­
  Völker  miteinander  zu  vergleichen.  Wie  sich  schon
früher  an  solche  chronologische  Werke  bei  Paulus  von  Middelburg, ­
  Stüftler  und  Lucas  Gauricas  auch  Betrachtungen  über  die
Fehler  des  julianischen  Kalenders  und  Vorschläge  zu  deren
Beseitigung  angeknüpft  hatten,  so  behandelt  auch  Scaliger,  dem
hiefür  ein  reiches  Material  zur  Verfügung  stand, 1  diese  Frage
im  vierten  Buche.  Auffallend  ist  es  immerhin,  dass  Scaliger  hiebei
mit  keinem  Worte  der  Gregorianischen  Reform  Erwähnung
macht,  nachdem  bereits  1578  das  Lilio’sche  Compendium  verschickt ­
  worden  war.  Aber  Scaliger  war  Protestant  und  lebte
in  einem  protestantischen  Lande,  und  so  ist  es  immerhin  wahrscheinlich, ­
  dass  Scaliger  bei  Abfassung  dieses  Theiles  seines
Werkes  von  den  Plänen  Roms  noch  nicht  unterrichtet  war.
Es  ist  daher  von  Petavius  nicht  ehrlich,  dass  er  bei  der  Bekämpfung ­
  alles  dessen,  was  Scaliger  -  gegen  die  Gregorianische
Reform  vorbrachte,  auch  diesen  Theil  seiner  Schrift  herbei-So

  publicirte  Scaliger  ein  Bruchstück  aus  dem  Computus  des  Isaac
Argyrus.
            
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