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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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nischen  Tafeln,  als  auch  nach  denen  des  J.  Maginus  1  sei  die
mittlere  Conjunction  am  17./7.  April  eingetreten,  somit  wäre
denn  doch  Ostern  nach  dem  Vollmondtage  gefeiert  worden.
Ehe  noch  Clavius  seine  Apologia  in  die  Welt  versandte,
kam  ihm  jener  zweite  Angriff  Maestlin’s  zu,  in  welchem  wohl
nichts  Neues  gebracht,  aber  der  alte  mit  schärferem  Nachdruck ­
  wiederholt  wird.  Clavius  widmete  demselben  einen  Appendix, ­
  2  worin  er  namentlich  die  Gesichtspunkte  hervorhebt,
unter  welchen  von  einem  ,Kalendarium  Gregorianum  perpetuum'
  die  Rede  sein  könne.  Ausdrücklich  führt  er  auch  an,  dass
vier  Fehler  dem  neuen  Kalender  anhaften:  1.  Das  Schwanken
des  Aequinoctium’s;  2.  dass  die  Epacten  das  Mondalter  manchmal
etwas  zu  spät  angeben  und  daher  Ostern  möglicherweise  in  die
vierte  Woche  des  Ostermondmonats  fällt;  3.  dass  Ostern  statt
in  den  ersten,  in  den  letzten  des  Vorjahres  oder  in  den  zweiten
des  laufenden  Jahres  fallen  kann  (d.  h.  dass  Ostern  sowohl  vor
dem  Aequinoctiuin  als  4  bis  5  Wochen  nach  demselben  fallen
kann);  4.  dass  Ostern  am  Vollmondstage  selbst  eintreten  kann.
Aber  alle  diese  Fehler  —  wenn  man  überhaupt  das  ,Fehler''
nennen  wolle,  was  nicht  vermieden  werden  kann  —  sind  nicht
zu  umgehen  in  jedem  Kalender,  der  auf  Cyclen  und  gleichförmigen ­
  und  leichtfasslichen  Regeln  beruht.  Wenn  also  Maestlin
auch  fernerhin  gegen  den  Gregorianischen  Kalender  ankämpfen
wolle,  so  zeichnet  ihm  Clavius  folgenden  Weg  vor:  er  muss  zu
beweisen  suchen,  dass  im  Gregorianischen  Kalender  ausser  diesen
vier  auch  noch  andere  Fehler  Vorkommen,  und  dass  diese  im
neuen  öfter  eintreten,  als  im  alten  julianischen.  Leugnet  er
aber,  dass  diese  vier  unvermeidlich  sind,  so  muss  er  darnach
streben,  einen  Kalender  zu  construiren,  der  ebenfalls  auf  cyclischer ­
  leicht  fasslicher  Rechnung  beruht,  ohne  diese  vier
Mängel  zu  haben.
An  diesen  Appendix  schliesst  sich  dann  ein  dritter  Theil
an,  worin  der  neue  Computus  ecclesiasticus  auseinandergesetzt
wird,  worin  aber  Clavius  nicht  polemisch  vorgeht.

1  J.  E.  Maginus  gilb  Epliemeriden  für  1580—1630  heraus.
2  Appendix,  qua  A.  Possevinus  defenditur  et  summa  totius  Apologiae  explicatur.

            
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