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Mittel nicht mehr vorschlagen kann, wird, wenn es ihm ernstlich
um das Wohl seines Vaterlandes zu thun ist, nicht von Krieg
und Rache poltern, sondern seinen Mitbürgern den ernsten
Rath ertheilen, augenblicklich einen möglichst günstigen Frieden
zu schliessen. Solche Staatsmänner hat es zu Athen auch gegeben;
Demosthenes nennt sie nach dem Sprachgebrauch tyrannischer
Demagogen Verräther' (S. 252). ,Das geschwächte Athen
durfte nur, um sicher zu sein, nicht die unhaltbare Stellung
einer entscheidenden Grossmacht beanspruchen' (S.262). Und dies
war um so gebotener einem Herrscher wie Philipp gegenüber,
,dessen bisherige Bemühungen nur das Bestreben zeigten, für
sein Vaterland natürlichere Grenzen und Lebensbedingungen zu
gewinnen, dem ein weiteres Uebergreifen über die Machtsphäre
Makedoniens hinaus, d. h. Eroberungssucht fernlag' (S. 259).
Nicht Philipp war der Friedensstörer, sondern die Veranlassung
zum Krieg ist in den Umtrieben der Volkspartei in Olynth zu
suchen, die von Athen aus gehetzt und geschürt wurde (S. 256).
Dass durch diese neue Auffassung Philipps als eines
Eroberers wider Willen seine historische Bedeutung und Grösse
verwischt und herabgedrückt wird, liegt auf der Hand. Aber
man wünschte sie nicht ohne Beweis hingestellt zu sehen, ja
sie müsste unwiderleglich dastehen, um von ihr aus das ganze
Streben Demosthenes’ in den ersten Jahren seines öffentlichen
Wirkens als eine Thorheit stigmatisiren zu können. Dass aber
Philipp zuerst Olynth Wohlthaten erwies, um es mit Athen zu
verhetzen und sein Misstrauen einzuschläfern, dann aber, als
er sich stark genug fühlte, es zu vernichten, von Friede und
Freundschaft den Mund voll nahm, ist kein Beweis dafür,
sondern ein Zeichen seiner diplomatischen Kunst, die wohl
auch um Mittel nicht verlegen war, den Angegriffenen die
Rolle des Friedensstörers spielen zu lassen. Vielleicht dass er
damit, so wie mit dem bescheidenen Verlangen nach den natürlichen
Grenzen den einen oder andern Athener eine Weile
getäuscht und dadurch der Friedenspartei, welcher bei den
damaligen Verhältnissen des Staates die Majorität leicht folgte,
einen Halt gegeben. 1 Als aber der Fall Olynths und so vieler
1 Dass im Gegensatz zu diesen Andere in ihrer Furcht vor Philipp viel
weiter gingen als Demosthenes für richtig hielt, können Stellen wie
1 Phil. § 48 ff. zeigen.