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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Mittel  nicht  mehr  vorschlagen  kann,  wird,  wenn  es  ihm  ernstlich
um  das  Wohl  seines  Vaterlandes  zu  thun  ist,  nicht  von  Krieg
und  Rache  poltern,  sondern  seinen  Mitbürgern  den  ernsten
Rath  ertheilen,  augenblicklich  einen  möglichst  günstigen  Frieden
zu  schliessen.  Solche  Staatsmänner  hat  es  zu  Athen  auch  gegeben; ­
  Demosthenes  nennt  sie  nach  dem  Sprachgebrauch  tyrannischer ­
  Demagogen  Verräther'  (S.  252).  ,Das  geschwächte  Athen
durfte  nur,  um  sicher  zu  sein,  nicht  die  unhaltbare  Stellung
einer  entscheidenden  Grossmacht  beanspruchen'  (S.262).  Und  dies
war  um  so  gebotener  einem  Herrscher  wie  Philipp  gegenüber,
,dessen  bisherige  Bemühungen  nur  das  Bestreben  zeigten,  für
sein  Vaterland  natürlichere  Grenzen  und  Lebensbedingungen  zu
gewinnen,  dem  ein  weiteres  Uebergreifen  über  die  Machtsphäre
Makedoniens  hinaus,  d.  h.  Eroberungssucht  fernlag'  (S.  259).
Nicht  Philipp  war  der  Friedensstörer,  sondern  die  Veranlassung
zum  Krieg  ist  in  den  Umtrieben  der  Volkspartei  in  Olynth  zu
suchen,  die  von  Athen  aus  gehetzt  und  geschürt  wurde  (S.  256).
Dass  durch  diese  neue  Auffassung  Philipps  als  eines
Eroberers  wider  Willen  seine  historische  Bedeutung  und  Grösse
verwischt  und  herabgedrückt  wird,  liegt  auf  der  Hand.  Aber
man  wünschte  sie  nicht  ohne  Beweis  hingestellt  zu  sehen,  ja
sie  müsste  unwiderleglich  dastehen,  um  von  ihr  aus  das  ganze
Streben  Demosthenes’  in  den  ersten  Jahren  seines  öffentlichen
Wirkens  als  eine  Thorheit  stigmatisiren  zu  können.  Dass  aber
Philipp  zuerst  Olynth  Wohlthaten  erwies,  um  es  mit  Athen  zu
verhetzen  und  sein  Misstrauen  einzuschläfern,  dann  aber,  als
er  sich  stark  genug  fühlte,  es  zu  vernichten,  von  Friede  und
Freundschaft  den  Mund  voll  nahm,  ist  kein  Beweis  dafür,
sondern  ein  Zeichen  seiner  diplomatischen  Kunst,  die  wohl
auch  um  Mittel  nicht  verlegen  war,  den  Angegriffenen  die
Rolle  des  Friedensstörers  spielen  zu  lassen.  Vielleicht  dass  er
damit,  so  wie  mit  dem  bescheidenen  Verlangen  nach  den  natürlichen ­
  Grenzen  den  einen  oder  andern  Athener  eine  Weile
getäuscht  und  dadurch  der  Friedenspartei,  welcher  bei  den
damaligen  Verhältnissen  des  Staates  die  Majorität  leicht  folgte,
einen  Halt  gegeben.  1  Als  aber  der  Fall  Olynths  und  so  vieler
1  Dass  im  Gegensatz  zu  diesen  Andere  in  ihrer  Furcht  vor  Philipp  viel
weiter  gingen  als  Demosthenes  für  richtig  hielt,  können  Stellen  wie
1  Phil.  §  48  ff.  zeigen.
            
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