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Kaltenbrunn er.
aus den heiligen Schriften des alten Bundes sich erweisen
lässt, dass Gott auch die Juden nur an die mittleren nicht
an die wirklichen Bewegungen im Ceremoniengesetze gebunden
habe.
6. Für die cyclische Rechnung spricht die Autorität vieler
gelehrter Männer, welche über die Zeitrechnung geschrieben
haben.
Dies sind im Wesentlichen die Gründe, welche Clavius
für die cyclische Rechnung anführt, und es wird wohl kaum bestritten
werden können, dass die ersten vier Punkte ihre volle
Berechtigung haben. Die beiden letzteren allerdings sind schwach,
namentlich der sechste, denn die von Clavius angeführten Gewährsmänner,
Campanus, Paulus von Middelburg und Johannes Stöffler
sprechen eben über den Kalender, wie er vorlag; bei letzterem
habe ich nachgewiesen, dass er der astronomischen Rechnung
gegenüber der cyclischen in seinen Vorschlägen für die Kalenderreform
das Wort sprach. 1
Indem sich also Clavius, gestützt auf diese Gründe, auf
die Seite der cyclischen Rechnung stellt, lässt er natürlich dem
Maestlin nicht gelten, wenn er an der Hand astronomischer
Tafeln dem Kalender einzelne Fehler nachweist. Ja er gesteht
selbst zu, dass das Aequinoctium vernum zur Jetztzeit meist
auf den 20. März fällt, und dass — wie Maestlin behauptet
hatte — sich dasselbe nach 1600 noch mehr vom 21. entfernen
werde. Aber er stellt dem gegenüber, dass es doch immer und
immer wieder darauf zurückkehren werde, und dass derlei
Schwankungen bei der ungleichen Dauer des tropischen Jahres
durchaus nicht vermieden werden können. Und hier greift nun
Clavius jenen Satz des Maestlin heraus, dass er selbst nicht
der Ansicht sei, als ob astronomische Subtilitäten Werth und
Bedeutung für die Zeitrechnung hätten, aber in Folge der hochtönenden
Sprache des Pabstes habe er sie herangezogen. Clavius
bestreitet das letztere, und indem er erklärt und beweist,
wie der Ausdruck,Kalendarium perpetuum' und der Satz ,aequatio
est perfecta, ut nulli mutationi sit obnoxia' zu verstehen seien,
wirft er alle Argumente Maestlin’s über den Haufen. Letzterer
Satz war von der Modification der Schaltregel ausgesprochen
1 Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform, pag. 391 u. ff.