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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunn  er.

aus  den  heiligen  Schriften  des  alten  Bundes  sich  erweisen
lässt,  dass  Gott  auch  die  Juden  nur  an  die  mittleren  nicht
an  die  wirklichen  Bewegungen  im  Ceremoniengesetze  gebunden ­
  habe.
6.  Für  die  cyclische  Rechnung  spricht  die  Autorität  vieler
gelehrter  Männer,  welche  über  die  Zeitrechnung  geschrieben
haben.
Dies  sind  im  Wesentlichen  die  Gründe,  welche  Clavius
für  die  cyclische  Rechnung  anführt,  und  es  wird  wohl  kaum  bestritten ­
  werden  können,  dass  die  ersten  vier  Punkte  ihre  volle
Berechtigung  haben.  Die  beiden  letzteren  allerdings  sind  schwach,
namentlich  der  sechste,  denn  die  von  Clavius  angeführten  Gewährsmänner, ­
  Campanus,  Paulus  von  Middelburg  und  Johannes  Stöffler
sprechen  eben  über  den  Kalender,  wie  er  vorlag;  bei  letzterem
habe  ich  nachgewiesen,  dass  er  der  astronomischen  Rechnung
gegenüber  der  cyclischen  in  seinen  Vorschlägen  für  die  Kalenderreform ­
  das  Wort  sprach. 1
Indem  sich  also  Clavius,  gestützt  auf  diese  Gründe,  auf
die  Seite  der  cyclischen  Rechnung  stellt,  lässt  er  natürlich  dem
Maestlin  nicht  gelten,  wenn  er  an  der  Hand  astronomischer
Tafeln  dem  Kalender  einzelne  Fehler  nachweist.  Ja  er  gesteht
selbst  zu,  dass  das  Aequinoctium  vernum  zur  Jetztzeit  meist
auf  den  20.  März  fällt,  und  dass  —  wie  Maestlin  behauptet
hatte  —  sich  dasselbe  nach  1600  noch  mehr  vom  21.  entfernen
werde.  Aber  er  stellt  dem  gegenüber,  dass  es  doch  immer  und
immer  wieder  darauf  zurückkehren  werde,  und  dass  derlei
Schwankungen  bei  der  ungleichen  Dauer  des  tropischen  Jahres
durchaus  nicht  vermieden  werden  können.  Und  hier  greift  nun
Clavius  jenen  Satz  des  Maestlin  heraus,  dass  er  selbst  nicht
der  Ansicht  sei,  als  ob  astronomische  Subtilitäten  Werth  und
Bedeutung  für  die  Zeitrechnung  hätten,  aber  in  Folge  der  hochtönenden ­
  Sprache  des  Pabstes  habe  er  sie  herangezogen.  Clavius ­
  bestreitet  das  letztere,  und  indem  er  erklärt  und  beweist,
wie  der  Ausdruck,Kalendarium  perpetuum'  und  der  Satz  ,aequatio
est  perfecta,  ut  nulli  mutationi  sit  obnoxia'  zu  verstehen  seien,
wirft  er  alle  Argumente  Maestlin’s  über  den  Haufen.  Letzterer
Satz  war  von  der  Modification  der  Schaltregel  ausgesprochen

1  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform,  pag.  391  u.  ff.
            
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