Die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform.
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Im selben Jahre, in welchem Maestlin seine Defensio alterius
examinis herausgab, erschien endlich von Rom aus eine
Erwiderung und zwar von Christof Clavius, der schon bisher
die Seele des Unternehmens gewesen war und der von nun
an unermüdlich thätig ist, seine Schöpfung zu vertheidigen. 1
Wie schon Possevinus angekündigt hatte, ist die Schrift direct
gegen Maestlin gerichtet, merkwürdigerweise aber nicht dem
Pabste, sondern dem Kaiser gewidmet. In der Vorrede setzt
Clavius die Gründe liiefür auseinander; der Kaiser als Schirmvogt
der Kirche müsse klar sehen, ob das von ihm unterstützte
Kalenderwerk aufrichtigen Grundlagen aufgebaut sei oder nicht;
ihm müsse ein Buch, das für die Ehre der Kirche kämpft, gewidmet
werden. Die Erwiderung gegen Maestlin betrifft nur
das Alterum Examen, ausdrücklich sagt Clavius, dass ihm die
deutsche Schrift desselben nicht zu Gesicht gekommen sei, und
wie wir aus der Tendenz und Haltung des Clavius annehmen
können, wäre er auf dieselbe gar nicht eingegangen, denn ihm,
dem Jesuiten, stand es ja fest, dass der Pabst das Recht habe,
derlei Werke für die Christenheit zu unternehmen; ausdrücklich
sagt er auch, er wolle alle Schmähungen gegen den Pabst unerwidert
lassen, obwohl es ihm schon daraus ein leichtes wäre
zu beweisen, dass Maestlin seinen Angriff nicht aus Wahrheitsliebe
und Sorge für das öffentliche Wohl sondern lediglich aus
Hass gegen Rom unternommen habe. Also nur auf das Sachliche
ist sein Blick gerichtet, und da spitzt sich nun die ganze
Frage auf die Behauptung Maestlin’s zu, dass der Kalender
dass er im Aufträge der Universität Tübingen dieses Werk abfasste, denn
er klagt, dass ihm die etwas verspätete Vollendung manche Unannehmlichkeit
und eine Rüge vom Senate zugezogen habe. (J. Kepleri Opera
edd. Frisch. I. 34.) Ist die Angabe des Lipenius richtig, so bleibt nichts
anders übrig, als in dieser 1597 vollendeten Schrift einen fünften Angriff
Maestlin’s zu sehen.
1 Ich bin genöthigt, schon hier die Schrift des Clavius anzuführen, ehe ich mit
der Darlegung der weiteren mathematischen Gegenschriften fortfahren kann;
denn die meisten derselben nehmen schon auf sie Bezug und so würde eine
Darlegung derselben ohne ihre Kenntniss sehr erschwert werden. Sie
führt den Titel: Novi Calendarii Romani Apologia adversus Michaolem
Maestlinum Göppingensem in Tübingensi Academia Mathematicum trihus
libris explicata. Rom 1588. (Wiederholt im V. Bande der Opera Clavii.
Mainz 1612, mit Hinweglassung des dritten Theils.)
Sitzungsber. d. pbil.-bist. CI. LXXXVil. Bd. I. Hft. 35