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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Ivaltenbrunner.

zu  Gesichte  gekommen. 1  Durch  Schweigen  also  geben  die
Gegner  zu,  dass  alle  gemachten  Angriffe  gerechtfertigt  sind.
Den  Possevinus  hält  er  eigentlich  der  Entgegnung  nicht  für
würdig,  aber  er  will  nicht,  dass  Anhänger  des  Kalenders,  namentlich ­
  solche,  die,  weil  in  der  Mathematik  unkundig,  sein
Alterum  examen  nicht  geleseu  haben,  sich  durch  derlei  jesuitische ­
  Kunstgriffe  täuschen  lassen,  und  des  Possevinus  Behauptung ­
  glauben,  er  habe  trotz  eines  dröhnenden  Titels  durchaus
nicht  dem  neuen  Kalender  geschadet.  Der  Reihe  nach  wiederholt ­
  nun  Maestlin  seine  Angriffe  und  hält  sich  besonders  eingehend ­
  bei  der  Correctur  des  Sonnenjahres  auf.  Den  angeführten
Einwurf  des  Possevinus  nun  weiss  er  sehr  geschickt  zu  umgehen. ­
  Indem  er  nachwies,  dass  die  Aequinoctien  sehr  schwankend ­
  also  durch  den  neuen  Kalender  nicht  am  21.  März  gefestigt ­
  seien,  habe  er  allerdings  die  Prutenischen  Tafeln  als  die
verhältnissmässig  besten  benützt,  nachdem  die  Kalendermacher
in  Rom  ihre  Pflicht,  neue  aufzustellen,  versäumt  hatten.  Die
Prutenischen  Tafeln  seien,  wenn  auch  im  Einzelnen  fehlerhaft,
doch  auf  richtigen  Grundlagen  aufgebaut,  und  eine  derselben
sei  die  Anomalie  der  Jahrpunkte  —  der  Grund  ihrer  Schwankungen. ­
  Indem  er  nun  bestritten  habe,  dass  das  Aequinoctium  fix
am  21.  März  bleibe,  habe  er  die  Qualität  der  Anomalie,  nicht
deren  Quantität  im  Auge  gehabt,  und  nur  nothgedrungen  habe
er  sich  hiebei  der  allerdings  nicht  sicheren  speciellen  Beispiele
aus  den  Prutenischen  Tafeln  bedient.  Wenn  endlich  Clavius,
oder  ein  anderer  das  versprochene  Werk  publiciren  und  von
Grund  aus  ihn  eines  andern  belehren  werden,  so  ist  Maestlin
bereit,  der  Wahrheit  die  Ehre  zu  geben;  wenn  aber  Clavius
nichts  besseres  zu  sagen  weiss,  als  Possevinus,  so  möge  gleich
diese  Schrift  als  Antwort  ihm  gelten. 2
1  In  der  That  erschien  die  betreffende  Schrift  des  Clavius  erst  im  Jahre  1588.
2  Maestlin  schrieb  denn  in  der  That  auch  fernerhin  über  den  Kalender,
wozu  ihm  ohne  Zweifel  die  Erwiderung-  des  Clavius  Anlass  gegeben  hat.
>  Die  Schrift  führt  den  Titel:  ,Examina  eorumdemque  Apologia‘;  leider
findet  sich  dieses  Werk  auf  keiner  der  drei  genannten  Bibliotheken  und
ich  kenne  den  Titel  nur  aus  Lipenius,  Bibliotheca  Realis  Philosophica.
Dieser  gibt  1593  als  Jahr  des  Erscheinens  an;  vielleicht  ist  dies  in  1597
zu  corrigiren,  denn  am  9./19.  März  dieses  Jahres  schreibt  Maestlin  an
Kepler,  er  habe  vor  einer  Woclie  seine  neue  Schrift  gegen  den  Gregorianischen ­
  Kalender  vollendet.  Aus  dem  Wortlaut  des  Briefes  geht  hervor,
            
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