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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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legen.  Auch  die  Thesen  des  Busaeus  gehen  nicht  viel  Stoff;
und  nur  die  Behauptung  desselben,  dass  die  besten  Mathematiker ­
  der  Erde  den  Kalender  theils  gemacht,  theils  gut  geheissen,
veranlassen  Maestlin  zu  der  Bemerkung,  wie  merkwürdig  es
doch  sei,  dass  Busaeus  keinen  einzigen  derselben  beim  Namen
nenne.  Wie  schlecht  es  übrigens  mit  dem  Vertrauen  auf  das
Werk  beim  Pabste  selbst  bestellt  sein  müsse,  zeigt,  dass  er
allen  Mathematikern  die  Discussion  über  die  Reform  verbietet
und  es  vorzieht,  mit  dem  Bannflüche  statt  durch  überzeugende
Gründe  die  Annahme  derselben  zu  erzwingen.  Mit  einer  abermaligen ­
  Ermahnung  an  die  Mathematiker,  ihre  Augen  zu  öffnen
und  diesen  ihrer  schönen  Wissenschaft  Hohn  sprechenden  Kalender ­
  gehörig  zurückzuweisen,  schliesst  Maestlin  seine  Schrift  ab.
Diese  Aufforderung  an  die  Gegner,  ihn  zu  widerlegen,
blieb  in  der  That  in  Rom  nicht  unbeachtet,  denn  endlich  ging
Clavius  daran,  eine  ausführliche  Begründung  des  Kalenderwerkes
herauszugeben,  die  ihre  Spitze  gegen  Maestlin  richtete.  Ehe
jedoch  dieses  Buch,  das  uns  bald  zu  beschäftigen  haben  wird,
erschien,  wurde  dem  Maestlin  vom  Jesuiten  Antonius  Possevinus
  in  seiner  Moscovia  erwidert. 1  Derselbe  weiss,  dass  Clavius ­
  die  Absicht  habe,  zu  antworten  und  so  begnügt  er  sich,
den  Angriff  als  nichtig  und  eitel  hinzustellen,  mehr  nützlich
dem  Reformwerk  als  schädlich.  Nur  auf  eine  Inconsequenz,
besser  gesagt  auf  einen  Widerspruch  Maestlin’s  macht  Possevinus
  aufmerksam,  um  damit  einen  Massstab  für  die  Beurtheilung
  des  ganzen  Werkes  zu  geben.  Maestlin  mache  es  den  römischen ­
  Mathematikern  zum  Vorwurf,  dass  sie  nicht  neue  Tafeln
sondern  die  fehlerhaften  Prutenischen  Tafeln  zu  Grunde  gelegt
haben,  und  andererseits  benützt  er  doch  dieselben,  um  mit  Angabe ­
  von  speciellen  Fällen  zu  beweisen,  dass  das  Aequinoctium
vernum  durchaus  nicht  am  21.  März  gefestigt  worden  sei.
Auf  diesen  Angriff  gab  Maestlin  1588  eine  ,Defensio  alterius
  sui  examinis'  heraus.  Er  constatirt,  dass  ausser  Possevinus
  in  einem  Zeitraum  von  zwei  Jahren  kein  Mathematiker  ihm.
geantwortet  habe,  denn  auch  das  von  demselben  angekündigte
Buch  des  Clavius  sei  ihm  trotz  eifrigen  Nachforschens  nicht
1  Moscovia  et  alia  opera  de  statu  hujus  saeculi  adversus  Catholicae  ecclesiae
  hostes  in  officina  Birkmannica  1587.  Sect.  IV.  De  anni  et  paschae
emendatione.
            
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