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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Demosthenischo  Studien.

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wie  die  Rechnung,  dass  das  ganze  Gebäude  von  Philipps  Macht
selbst  in  Makedonien  sich  morsch  und  faul  erweisen  werde,
wenn  Athen  sich  zur  Thatkraft  aufraffe,  ,ebenso  einseitig  und
abgeschmackt  erscheine  die  Charakteristik  des  makedonischen
Hofes'  (§  18).  Das  geringschätzige  Urtheil  über  Makedoniens
Militärmacht  (§  14)  sei  ,mehr  leichtfertig  als  lächerlich'  (265).
,Auf  die  unvernünftigen  Schmähungen  (§  18  ff.)  des  Nähern
einzugehen,  glaube  er  dem  Leser  ersparen  zu  dürfen.  Solche
gewissenlose  Vorwürfe  erblassten  vor  den  grossen  Thaten  des
Marines;  Demosthenes  selbst  verwickle  sich  in  die  ärgsten
Widersprüche,  wenn  er  sonst  die  unglaubliche  Thatkraft  des
Mannes  seinen  Mitbürgern  zum  Beispiel  und  zur  Nachahmung
vorführe'  (266).  Demnach  ,könne  er  auch  in  dieser  Rede  staatsmännische
  oder  militärische  Gedanken,  welche  dem  Kriege  eine
Wendung  hätten  geben  können,  nicht  vorfinden.  Denn  die
wiederholte  Forderung,  Geld  zu  zahlen  und  in  den  Krieg  zu
ziehen,  würden  auch  andere  Redner  vor  und  nach  Demosthenes
variirt  haben;  solche  allgemeine  Leitartikel  genügten  nicht
zur  Regierung  eines  Staates.  Umgekehrt  entdecke  er  sehr  viele
Irrthümer,  bewusste  oder  unbewusste  sei  gleichgültig,  welche
die  Athener  nicht  zur  Einsicht  und  Mässigung  führen,  wohl
aber  in  verhängnissvolle  Leidenschaft  verstricken  mussten'  (267).
In  grelleren  Farben  kann  man  diesen  Gerngross  eines
Duodezstaates  mit  seiner  Kirchthurmpolitik,  diesen  verbissenen,
beschränkten,  aufgeblasenen  Sophisten  nicht  malen,  stärker
nicht  verdammen,  unbarmherziger  nicht  den  Irrthum  des  unkritischen ­
  Haufens,  der  bisher  voll  Bewunderung  und  Andacht
dem  Redner  gelauscht,  vernichten.  Aber  Weidner  glaubt  bei
seinem  zuversichtlichen  Tadel  festen  Boden  unter  den  Füssen
zu  haben,  er  weiss  nicht  bloss,  was  Demosthenes  schlecht  gemacht, ­
  er  kann  sagen,  wie  er  es  besser  zu  machen  hatte;
indem  er  das  zeigt,  setzt  er  an  Stelle  des  deplacirten  Demosthenes ­
  ein  neues  Götzenbild,  Philipp  den  Braven,  der  insofern
einer  gesicherteren  Lage  sich  erfreut,  als  er  klug  genug  war,
bei  Lebzeiten  über  die  Motive  seiner  Handlungen  zu  schweigen
und  vorsichtig  genug,  um  das  Gegentheil  von  dem  zu  sagen,
was  er  dachte.  ,Ein  Staatsmann'  so  lehrt  Weidner  ,welcher
wie  Demosthenes  vor  eine  so  traurige  Wirklichkeit  gestellt
ist,  dass  er  zur  Bekämpfung  des  Feindes  grössere  und  bessere
Sitzuugsber.  d.  pliil.-liist.  CI.  LXXXV1I.  Bd.  I.  Hft.  4
            
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