Demosthenischo Studien.
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wie die Rechnung, dass das ganze Gebäude von Philipps Macht
selbst in Makedonien sich morsch und faul erweisen werde,
wenn Athen sich zur Thatkraft aufraffe, ,ebenso einseitig und
abgeschmackt erscheine die Charakteristik des makedonischen
Hofes' (§ 18). Das geringschätzige Urtheil über Makedoniens
Militärmacht (§ 14) sei ,mehr leichtfertig als lächerlich' (265).
,Auf die unvernünftigen Schmähungen (§ 18 ff.) des Nähern
einzugehen, glaube er dem Leser ersparen zu dürfen. Solche
gewissenlose Vorwürfe erblassten vor den grossen Thaten des
Marines; Demosthenes selbst verwickle sich in die ärgsten
Widersprüche, wenn er sonst die unglaubliche Thatkraft des
Mannes seinen Mitbürgern zum Beispiel und zur Nachahmung
vorführe' (266). Demnach ,könne er auch in dieser Rede staatsmännische
oder militärische Gedanken, welche dem Kriege eine
Wendung hätten geben können, nicht vorfinden. Denn die
wiederholte Forderung, Geld zu zahlen und in den Krieg zu
ziehen, würden auch andere Redner vor und nach Demosthenes
variirt haben; solche allgemeine Leitartikel genügten nicht
zur Regierung eines Staates. Umgekehrt entdecke er sehr viele
Irrthümer, bewusste oder unbewusste sei gleichgültig, welche
die Athener nicht zur Einsicht und Mässigung führen, wohl
aber in verhängnissvolle Leidenschaft verstricken mussten' (267).
In grelleren Farben kann man diesen Gerngross eines
Duodezstaates mit seiner Kirchthurmpolitik, diesen verbissenen,
beschränkten, aufgeblasenen Sophisten nicht malen, stärker
nicht verdammen, unbarmherziger nicht den Irrthum des unkritischen
Haufens, der bisher voll Bewunderung und Andacht
dem Redner gelauscht, vernichten. Aber Weidner glaubt bei
seinem zuversichtlichen Tadel festen Boden unter den Füssen
zu haben, er weiss nicht bloss, was Demosthenes schlecht gemacht,
er kann sagen, wie er es besser zu machen hatte;
indem er das zeigt, setzt er an Stelle des deplacirten Demosthenes
ein neues Götzenbild, Philipp den Braven, der insofern
einer gesicherteren Lage sich erfreut, als er klug genug war,
bei Lebzeiten über die Motive seiner Handlungen zu schweigen
und vorsichtig genug, um das Gegentheil von dem zu sagen,
was er dachte. ,Ein Staatsmann' so lehrt Weidner ,welcher
wie Demosthenes vor eine so traurige Wirklichkeit gestellt
ist, dass er zur Bekämpfung des Feindes grössere und bessere
Sitzuugsber. d. pliil.-liist. CI. LXXXV1I. Bd. I. Hft. 4