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Kaltenbrunner.
Glaubensgenossen abzuhalten, den Kalender anzunehmen, und
nichts war da geeigneter, als die Religionsfrage in den Vordergrund
zu stellen. Jetzt war dieser Zweck erreicht und es galt,
nun, auch die flüchtig hingeworfenen Bemerkungen über die
Fehlerhaftigkeit der Reform näher zu begründen. So wird denn
jetzt in der Schrift selbst nur die mathematische Seite der
Reform in’s Auge gefasst, dagegen hören wir in der Vorrede
und in der Conclusio Maestlin mehrmals den früheren Ton anschlagen,
wenn er auch etwas durch die lateinische Sprache
gemildert wird. Zwei Motive lassen sich in Maestlin’s Arbeit
erkennen. Das eine spricht er in der Vorrede deutlich genug
aus: Im Bewusstsein, dass der neue Kalender durchaus fehlerhaft
sei, kann er es nicht begreifen, wie in dem Zeitraum von
vier Jahren kein einziger Mathematiker aufgestanden ist und die
herrliche Wissenschaft der Astronomie gegen derlei Verunzierungen
in Schutz genommen hat. So sieht er es denn für seine
Pflicht an, aufzutreten und der gelehrten Welt die ganze Haltlosigkeit
des vom Pabste unternommenen Werkes darzulegen.
Im weiteren Verlaufe dagegen entschuldigt er sich, dass er
astronomische Subtilitäten — die nach seiner und aller vernünftigen
Leute Ansicht gar nichts mit der Zeitrechnung zu
thun haben — in den Kreis seiner Betrachtungen ziehe. Lediglich
die hochtönende Sprache der päbstlichen Bulle, vornehmlich
die Worte ,quod ipsum (Kalendarium) tarn perfectum sit, ne
ulli umquam mutationi sit obnoxium in futurum' bewege ihn,
dies zu thun. Maestlin’s Werken und fast allen zu besprechenden
Angriffen wäre die Spitze abgebrochen gewesen, ja sie wären
beinahe unmöglich oder nur leer gewesen, wenn von Rom jenes
in den Canones versprochene Werk über eine nähere Begründung
der Reform herausgegeben worden wäre. Auf diese unbegründete
Hinstellung der Reform fusst Maestlin abermals,
fordert aber zugleich auch die römischen Mathematiker auf
seinem Angriff zu entgegnen, widrigenfalls sie als unfähig hiezu
und als Störer der öffentlichen Ruhe erscheinen müssten.
Zunächst kritisirt Maestlin die Moditication der Schaltregel,
dass also in je 400 Jahren drei bissexti ausgelassen werden
sollen. Aus derselben erkennt er, dass die Prutenischen Tafeln
zu Grunde gelegt sind; wie sehr aber über diese von den Mathematikern
geklagt werde, ist bekannt. Nun ist es auch ausgemachte