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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunner.

Glaubensgenossen  abzuhalten,  den  Kalender  anzunehmen,  und
nichts  war  da  geeigneter,  als  die  Religionsfrage  in  den  Vordergrund ­
  zu  stellen.  Jetzt  war  dieser  Zweck  erreicht  und  es  galt,
nun,  auch  die  flüchtig  hingeworfenen  Bemerkungen  über  die
Fehlerhaftigkeit  der  Reform  näher  zu  begründen.  So  wird  denn
jetzt  in  der  Schrift  selbst  nur  die  mathematische  Seite  der
Reform  in’s  Auge  gefasst,  dagegen  hören  wir  in  der  Vorrede
und  in  der  Conclusio  Maestlin  mehrmals  den  früheren  Ton  anschlagen, ­
  wenn  er  auch  etwas  durch  die  lateinische  Sprache
gemildert  wird.  Zwei  Motive  lassen  sich  in  Maestlin’s  Arbeit
erkennen.  Das  eine  spricht  er  in  der  Vorrede  deutlich  genug
aus:  Im  Bewusstsein,  dass  der  neue  Kalender  durchaus  fehlerhaft ­
  sei,  kann  er  es  nicht  begreifen,  wie  in  dem  Zeitraum  von
vier  Jahren  kein  einziger  Mathematiker  aufgestanden  ist  und  die
herrliche  Wissenschaft  der  Astronomie  gegen  derlei  Verunzierungen ­
  in  Schutz  genommen  hat.  So  sieht  er  es  denn  für  seine
Pflicht  an,  aufzutreten  und  der  gelehrten  Welt  die  ganze  Haltlosigkeit ­
  des  vom  Pabste  unternommenen  Werkes  darzulegen.
Im  weiteren  Verlaufe  dagegen  entschuldigt  er  sich,  dass  er
astronomische  Subtilitäten  —  die  nach  seiner  und  aller  vernünftigen ­
  Leute  Ansicht  gar  nichts  mit  der  Zeitrechnung  zu
thun  haben  —  in  den  Kreis  seiner  Betrachtungen  ziehe.  Lediglich
die  hochtönende  Sprache  der  päbstlichen  Bulle,  vornehmlich
die  Worte  ,quod  ipsum  (Kalendarium)  tarn  perfectum  sit,  ne
ulli  umquam  mutationi  sit  obnoxium  in  futurum'  bewege  ihn,
dies  zu  thun.  Maestlin’s  Werken  und  fast  allen  zu  besprechenden
Angriffen  wäre  die  Spitze  abgebrochen  gewesen,  ja  sie  wären
beinahe  unmöglich  oder  nur  leer  gewesen,  wenn  von  Rom  jenes
in  den  Canones  versprochene  Werk  über  eine  nähere  Begründung ­
  der  Reform  herausgegeben  worden  wäre.  Auf  diese  unbegründete ­
  Hinstellung  der  Reform  fusst  Maestlin  abermals,
fordert  aber  zugleich  auch  die  römischen  Mathematiker  auf
seinem  Angriff  zu  entgegnen,  widrigenfalls  sie  als  unfähig  hiezu
und  als  Störer  der  öffentlichen  Ruhe  erscheinen  müssten.
Zunächst  kritisirt  Maestlin  die  Moditication  der  Schaltregel, ­
  dass  also  in  je  400  Jahren  drei  bissexti  ausgelassen  werden
sollen.  Aus  derselben  erkennt  er,  dass  die  Prutenischen  Tafeln
zu  Grunde  gelegt  sind;  wie  sehr  aber  über  diese  von  den  Mathematikern ­
  geklagt  werde,  ist  bekannt.  Nun  ist  es  auch  ausgemachte
            
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