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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbru  nn  er.

vor  gänzlichem  Untergang  zu  erretten,  um  der  verblendeten
Welt  zu  zeigen,  dass  das  ganze  päbstliche  Kalendermachwerk
von  Stümpern  in  der  Astronomie  gemacht,  und  jedes  richtigen
Fundaments  haar  sei.  Denn  im  neuen  Kalender  sind  die  canones
motuum  coelestium  nicht  berücksichtigt  und  weder  neue  Tafeln
noch  corrigirte  Ephemcriden  benützt  worden.  Denn  auf  den
astronomischen  Tafeln,  nicht  auf  dem  Sonnencyclus  und  dem
Numerus  aureus  beruhe  die  Zeitrechnung.  Der  Kalender  habe
kein  Fundament,  weil  die  Dauer  des  tropischen  Jahres  gar  nicht
angegeben  werde  und  weil  man  nicht  berücksichtigt,  dass  die
Dauer  der  einzelnen  Jahre  selbst  von  einander  abweiche;  wie
könne  man  bei  einem  solchen  Vorgehen  dem  Julianischen  Kalender ­
  vorwerfen,  dass  er  das  Jahr  unrichtig  ansetzt!  Ferner  ist
die  Reform  falsch,  weil  sie  in  der  Wegwerfung  der  Tage  so
weit  gefehlt  habe,  denn  wenn  man  einen  Fehler  corrigire,  so
habe  es  nur  Sinn,  wenn  man  den  ganzen  corrigirt,  also  hätte
man  auf  die  Zeit  Caesar’s  zurückgehen  müssen,  und  wenn  man
sagt,  dass  dieser  Stunden  und  Minuten  bei  Seinem  Jahresansatze
zu  wenig  berücksichtigt  habe,  so  sei  es  sinnlos,  jetzt  bei  der
Correctur  doch  wieder  nur  volle  Tage  zu  nehmen.  Obwohl  nun
Müller  noch  zwanzig  derartige  Einwürfe  in  der  Tasche  hätte,
so  will  er  doch  für  diesmal  schweigen  mit  Rücksicht  darauf,
dass  die  von  ihm  ausgedachte  Reform  so  viel  Mühe  und  Zeit
gekostet  habe  und  er  fürchtet,  es  möchte  ihm,  wenn  er  alle  seine
Gesichtspunkte  darlegen  würde,  ein  Anderer  seine  Arbeit  wegschnappen. ­
  Wie  diese  Restitution  ausgesehen  hat,  wissen  wir
nicht,  denn  Müller  hat  seine  hier  ausgesprochene  Absicht,  dieselbe ­
  in  Druck  zu  legen,  nicht  ausgeführt.  Wir  hätten  einen
neuen  Monatsnamen  erhalten,  denn  Müller  hätte  den  September
zu  Ehren  des  Churfürsten  von  Sachsen,  von  dem  er  angeblich
zu  seinem  Werke  angeregt  worden  ist,  ,  Elector'  genannt.  Sie
beruhte  auf  den  richtigen  astronomischen  Tafeln  und  ihrem
wahren  Calciil,  und  hätte  auch  ein  so  gewisses  Judicium  mit
sich  geführt,  dass  sich  viele  darüber  gewundert  hätten.  Müller
vertraut  auch  deshalb  mit  voller  Zuversicht  sein  Werk  der
Prüfung  der  Astronomen  an,  denn  er  ist  überzeugt,  dass  kein
einziger  etwas  dagegen  einzuwenden  haben  wird.
Weit  gemässigter  und  von  andern  Beweggründen  ausgehend, ­
  urtheilt  um  dieselbe  Zeit  Jacobus  Cuno  zu  Frank-
            
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