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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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Gewalt  wehrten.  So  Hess  der  Wormser  Rath  die  Publication
des  Kalenders,  welche  der  Bischof  gemäss  des  kaiserlichen
Rundschreibens  im  October  1583  an  die  Kirchenthüren  hatte
schlagen  lassen,  durch  die  Stadtknechte  herunterreissen  und
zwang  den  Clerus,  auch  fortan  den  alten  Kalender  zu  benützen,
und  ähnliches  geschah  in  Hagenau  und  Lindau.  Erst  allmählich
nach  Beilegung  all’  dieser  localen  Streitigkeiten  kommt  es  dahin,

dass  man  die  Benützung  des  einen  oder  andern  Kalenders  nach
Territorien  scheiden  kann.  Die  vorausgehende  Darstellung  hat
es  gezeigt,  dass  bis  zu  diesem  Zeitpunkte  wesentlich  nur  auf
theologisch-politischem  Gebiete  gekämpft  wurde.  Wir  haben
erst  einen  Mann  —  Michael  Maestlin  —  mathematische  Gründe
ins  Feld  führen  sehen,  aber  auch  der  hat  durch  seine  früheren
Auseinandersetzungen  die  Leser  derart  eingenommen,  und  hat
auch  die  mathematischen  Theile  seiner  Schrift  mit  solchen  Ausfällen ­
  auf  den  Pabst  gewürzt,  dass  von  einer  einigermassen
unparteiischen  Beurtheilung  nicht  die  Rede  sein  kann.  Indem
wir  jetzt  die  Angriffe  der  Mathematiker  vorführen  werden,  so
wird  zu  Anfang  uns  auch  noch  dies  entgegentreten,  und  erst
im  zweiten  Theile  dieses  Capitels  werden  wir  auf  rein  sachliche ­
  Kritik  stossen.
Der  erste  derartige  Angriff  ging  von  dem  Zwickauer  Astronomen ­
  Tobias  Müller  aus  in  einem  1583  zu  Mainz  und  dann
im  Heidelberger  Sammelbande  gedruckten  Buche.  Ganz  eigentümliche ­
  Motive  leiteten  den  Mann  bei  Abfassung  desselben,
unter  welche  gekränkte  Eitelkeit  jedenfalls  gehört.  Denn  Müller
hatte  dem  1582  zu  Augsburg  versammelten  Reichstage  eine
Bittschrift  eingereicht,  den  Kalender  zu  reformiren,  wofür  er
die  beste  Lösung  gefunden  zu  haben  meinte.  Er  bittet  seinen
Reformvorschlag  durch  eine  Commission  von  Gelehrten  prüfen
zu  lassen  und  im  Falle  der  Gutheissung  ihm  die  Kosten,  die
er  nur  auf  30.000  Gulden  anschlägt,  zu  ersetzen. 1  Es  war
darauf  keine  Erledigung  erfolgt  und  aller  Orten  machte  sich
jetzt  der  päbstliche  Kalender  breit.  Da  ergriff  er  wieder  die
Feder,  um  die  schönen  Künste  und  die  liebliche  Astronomie

1  Mainzer  Erzkanzler-Archiv.  Reiehstag-saeten  !  582.  Tom.  I.  Supplicationum
pag.  389.

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