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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  aber  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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Jenen  Thesen,  welche  Jacobus  Heerbrandus  gegen  den
Kalender  aufgestellt  hatte,  wurden  zu  Mainz  von  dem  Jesuiten
Johann  Busaeus  solche  entgegengestellt.  1  Abgesehen  davon,
dass  Busaeus  den  Fehler  begeht,  die  Autorität  dos  Pabstes  als
unanfechtbar  hinzustellen,  was  natürlich  für  einen  Polemiker,
der  ganz  in  den  Ideenkreis  des  Gegners  eingehen  soll,  einem
Protestanten  gegenüber  schlecht  angewendet  ist,  muss  man
sagen,  dass  er  mit  grosser  Ueberlegenheit  und  Gewandtheit  die
Behauptungen  seines  Gegners  entkräftet.  Heerbrand  und  alle
seine  Gesinnungsgenossen  hatten  behauptet,  dass  wegen  des
Pabstes  der  neue  Kalender  nicht  angenommen  werden  könne,
sondern  dass  die  Reform  Sache  der  weltlichen  Obi'igkeit  ist
und  stets  war,  wobei  hauptsächlich  Caesar  und  Constantin
herbeigezogen  wurden.  Busaeus  macht  mit  Recht  dagegen
geltend,  dass  Caesar  nicht  als  Dictator,  sondern  als  Pontifex
Maximus  seine  Reform  unternommen  und  dass  Constantin  nur
die  Initiative,  nicht  aber  die  Ausführung  der  Osterregelung  ergriffen ­
  habe.  Busaeus  ist  so  schlau,  nicht  zu  behaupten,  dass
der  Pabst  der  einzige  sei,  der  jetzt  die  Reform  vornehmen
dürfe,  sondern  er  stellt  die  These  auf,  dass  er  unter  den  gegenwärtigen ­
  Verhältnissen  der  einzige  sei,  welcher  sie  durchführen
könne.  En  erinnert  die  Evangelischen  daran,  dass  Deutschland
nicht  allein  in  Europa  da  sei,  und  dass  in  Folge  dessen  die
deutschen  Fürsten  nicht  von  Europa  verlangen  können,  dass
man  entweder  von  der  als  nöthig  erkannten  Reform  abstehe,
oder  ihnen  zu  Liebe  eine  andere  Form  derselben  wähle.  Die
Berufung  auf  ein  allgemeines  Concil  sei  auch  müssig,  denn  die
Nicht-Anerkennung  des  Pabstes  als  Vorsitzenden  desselben  bildet
eine  zu  grosse  Kluft  zwischen  beiden  Parteien.  Höhnend  hält
Busaeus  den  Gegnern  vor,  dass  sie  ja  selbst  unter  sich  nicht
einig  sind,  dass  das  von  den  Protestanten  Behauptete  aufs
heftigste  von  den  Calvinisten  bekämpft  werde  und  umgekehrt.
Wer  also  —  fragt  Busaeus  —-  wäre  in  den  gegenwärtigen
Zeiten  im  Stande,  in  Europa  ein  Werk  durchzuführen,  als  der
Pabst?  Nun  könne  man  ja  von  den  Protestanten  gar  nicht

1  De  Calendario  Gregoriano  Disputstio  apologetiea,  Doctoris  Theologiae
Disputationi  Lutheranae  Tübingens!  opposita  et  in  Academia  Moguntia
anno  MDLXXXV  proposita.  Mainz  1585.
            
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