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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreforra.

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Die  Schrift  des  Maestlin  nämlich  war  vom  Pfalzgrafen  Ludwig
Philipp  dem  Kaiser  mit  dem  Briefe  vom  3./13.  Sept.  1583,
überschickt  worden  und  dieser  befahl,  dieselbe  dem  Fabricius.
zur  Begutachtung  zuzustellen.  Des  Fabricius  Schrift  ist  daher
nur  gegen  Maestlin  gerichtet  im  allgemeinen  und  besonderen.
Er  übergeht  die  von  demselben  angeregten  Religionsfragen  als
nicht  zur  Sache  gehörig  und  wendet  sich  hauptsächlich  gegen
jene  Punkte,  die  Maestlin  dafür  angeführt  hatte,  dass  die  Reform
des  Kalenders  an  sich  unnütz  und  schädlich  sei.
,Ist  es  doch  durch  das  Naturrecht  geboten,  dass  ein  anerkannter ­
  Fehler  beseitigt  werde.  Da  bis  jetzt  10  Tage  zu
viel  gezählt  worden  sind,  so  sind  diese  nichts  als  leere  Zahlen,
ein  effectus  sine  sua  causa  oder  doch  effectus  prior  sua  causa.
Da  es  nun  absurd  ist,  effeetum  ponere  ante  causam  aut  sine  sua
causa,  so  müssen  auch  aus  logischen  Gründen  diese  10  Tage
ausgelassen  werden.  Zudem  widerspreche  sich  Maestlin  verblendet ­
  vom  Hasse  gegen  den  Pabst,  wenn  er  einerseits  keine
Reform  will  und  von  der  Auslassung  von  10  Tagen  Verwirrung
befürchtet,  und  andererseits  sich  gegenüber  der  angewendeten
Form  für  eine  solche  von  13  Tagen  ausspricht.  Interessant  ist,
dass  Fabricius  ebenfalls  die  Schrift  Luthers  herbeizieht  und
aus  seinen  Worten  folgert,  dass  die  Protestanten  mit  gutem
Gewissen  den  Kalender  annehmen  können,  nachdem  ihn  der
Kaiser  als  weltliche  Obrigkeit  publicirt  habe.
Maestlin  hatte  —  wie  angeführt  wurde  —  das  herannahende ­
  Ende  der  Welt  als  Argument  gegen  die  Reform  angeführt ­
  und  zugleich  das  Unternehmen  des  Pabstes  als  ein
Symptom  desselben  bezeichnet.  Fabricius  fragt  ihn  nun,  was
es  bei  diesen  seinen  Ansichten  für  einen  Sinn  habe,  noch  bis
1600  die  Reform  zu  verschieben?  Andererseits,  wenn  seine
Ansicht  richtig  sei  —  was  ihm  von  glaubwürdigen  Theologen
Arbeit  —  dem  Alterum  Examen  —  dass  ein  Mathematiker  von  bedeutendem ­
  Ruf  wider  ihn  geschrieben  habe,  aber  durch  höhere  Autorität  verhindert ­
  worden  sei,  die  Schrift  zu  veröffentlichen,  da  sie  allzu  starke
Ausfälle  gegen  seine  Person  enthalten  habe.  Möglich  ist  es  immerhin,
dass  dies  auf  Wahrheit  beruht,  und  dann  könnte  man  es  recht  gut  auf
des  Fabricius  Schrift  beziehen,  in  Hinblick  auf  die  Aengstlichkeit,  mit  der
man  am  kaiserlichen  Hofe  bemüht  war,  eine  Einigung  in  der  Kalendersache ­
  herbeizuführen.

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