48
Härtel.
demokratischer Raserei bezeichnen - '. Am Schlüsse der Rede
,ergehe er sich wieder in den stolzesten Versprechungen genau
so prahlerisch, wie in der Einleitung/ Endlich folge die Ungeheuerlichkeit,
dass Athen die meisten Trieren, Hopliten, Reiter
und Staatseinkünfte besitze, eine Behauptung, welche gegenüber
dem armseligen Vorschlag des Demosthenes, wie der Aufputz
im Narrenspiele aussehe, — wenn nur diese Art prahlerischer
Ueberhebung nicht einen tiefen Blick in die gewissenlose Leichtfertigkeit
gewisser athenischer Demagogen eröffnete'.
Ebenso wenig, wie hier, findet Weidner in den olynthischen
Reden, von denen er die erste und zweite einer genaueren
Prüfung unterzieht, ,grosse politische Weisheit oder auch nur
praktische Rathschläge' (S. 255), vielmehr dieselbe ,frivole
Schmeichelei gegen die Volksmasse,' dieselbe totale Verkennung
der Lage, in welcher es ,eine Thorheit gewesen wäre, um
Olynths willen sich mit Philipp zu yerfeinden,' sowie ,ein
Frevel, die Existenz des Staates an die Verfolgung einer so
unglücklichen Politik zu setzen' (S. 258); das habe besser Isokrates
erkannt, ,mochte er auch nur Professor sein und Platon
dessen politische Weisheit für Wahnsinn erklären müsse, wer
die Politik des Demosthenes billigen wolle' (259). Was er von
der besonders ungünstigen Lage Philipps sage (I § 21), sei
,willkürliche Ansicht des Redners, ohne reelle Basis, veranlasst
durch die unglaubliche Geduld, welche Philipp Olynth gegenüber
bewahrt hätte' (261). Was Demosthenes beantrage, wenn
er überhaupt einen eigenen Antrag bringe, sei ungenügend
und unüberlegt. Neues enthalte auch die zweite Rede nicht,
,wenn man nicht das § 3 bis 4 aufgestellte Programm dafür
halten wolle, welches mit unverblümten Worten erkläre, dass
es staatsmänniscli ist, nicht etwa die Macht des Gegners zu
erwägen, sondern möglichst viel Schimpf und Schande auf das
Haupt des Feindes zu geifern' (263). ,Das moralische Pathos
des § 6, welches fast an Aeschines und Stahl erinnere, sei dem
Feinde gegenüber im Kriege ebenso nutzlos als widerlich'.
,Trotz der auffallenden Schwäche seiner Darlegung versteige
er sich zu der kecken Herausforderung: r\ -apehOwv v.q egoi oetcaTo>
Mit sophistischer Kunst stelle der Redner die Fragen
so, dass diese bejaht werden könnten, ohne dass deshalb seine
Beweisführung anerkannt würde' (264). Ebenso leichtfertig',