Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

530

Kaltenb  run  ner.

gehen  (!).  Durch  die  Auslassung  von  10  Tagen  wird  nun  insofern
das  angemasste  Recht  der  Frauen  verletzt,  als  nun  die  Männer
zwei  Marterwochen,  nach  altem  und  neuem  Kalender  nämlich,
annehmen;  daher  trachten  die  ersteren  darnach,  den  Pabst  zu
bekriegen  und  ihn  zur  Rücknahme  seines  Werkes  zu  zwingen.
Da  der  Dichter  sichtlich  auch  unter  der  Herrschaft  seiner  Ehehälfte ­
  schmachtet,  so  sollte  man  meinen,  er  stünde  auf  Seite
des  Gregorianischen  Kalenders;  aber  mit  nichten,  er  zieht  es
noch  immer  vor,  auf  der  Erde  die  durch  die  Weiber  angezündete ­
  Hölle  zu  ertragen,  als  im  ewigen  Feuer  mit  den
Papisten  zu  braten.
III.  Katholische  Antworten.
Alle  diese  heftigen  Angriffe  gegen  den  Kalender  mussten
natürlich  auch  auf  katholischer  Seite  zu  Erwiderungen  führen;
wir  bemerken  aber  eine  auffallende  Ruhe,  die  wohl  nur  darin
ihre  Erklärung  finden  kann,  dass  man  erwartete,  von  Rom  aus
werde  eine  energische  Entgegnung  erfolgen.  Dort  aber  ignorirte
man  alle  diese  Angriffe,  und  erst  als  eine  sachliche  Opposition
sich  entwickelte,  da  sah  man  sich  genöthigt,  in  den  Kampf
einzutreten.  Ganz  jedoch  fehlte  es  doch  nicht  an  Erwiderungen,
die  natürlich  auch  über  das  Ziel  hinausschiessen;  aber  die  Masslosigkeit
  der  Gegner  macht  es  ihnen  leicht,  eine  gewisse  geistige
Ueberlegenheit  zur  Schau  zu  tragen.
Die  erste  Widerlegung  erfuhren  die  Gegner  von  jenem
Dr.  Fabricius,  dessen  Gutachten  über  die  Reform  wir  kennen
gelernt  haben.  Freilich  ist  dieselbe  nicht  in  die  Oeffentlichkeit
gedrungen,  denn  es  lässt  sich  kein  Druck  nachweisen,  aber  sie
war  für  den  Kaiser  bestimmt  und  hat  insofern  Bedeutung. 1
1  Die  Schrift  des  Fabricius  findet  sich  handschriftlich  im  Cod.  Vindob.  t0711.
Auffallend  ist  dabei,  dass  sich  dieselbe  auf  der  kaiserlichen  Hofbibliothek
findet,  während  alle  Schriftstücke  über  die  Kalenderfrage  in  zwei  Fascikelu
des  Haus-,  Hof-  und  Staats-Archives  zusammengetragen  sind.  Durch  diesen
Umstand  könnte  man  versucht  werden,  anzunehmen,  dass  Fabricius  die
Schrift  an  den  Kaiser  nicht  eingereicht  habe,  zumal  da  der  vorliegende
Codex  nicht  Entwurf,  sondern  Reinschrift  ist.  Dass  sie  auf  Befehl  des
Kaisers  abgefasst  ist,  sagt  Fabricius  ausdrücklich  nebst  Angabe  der  Veranlassung ­
  hiezu;  ausserdem  findet  sich  auf  dem  Briefe  des  Pfalzgrafen  die
Kanzleinote  vom  26.  Sept./6.  October:  ,diese  Censura  soll  dem  Dr.  Fabricius
zur  Begutachtung  zugestellt  werden*.  Maestlin  erzählt  in  seiner  zweiten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.