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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrunner.

Der  Vorwurf,  dass  hiedurch  Unfrieden  im  Reiche  gestiftet
werde,  der  berühre  weiter  nicht  die  Protestanten,  denn  wer
hat  hier  die  Schuld,  der,  welcher  den  Grund  zum  Bruche  des
Religionsfriedens  gibt,  oder  der,  welcher  nur  sein  verbrieftes
Recht  vertheidigl?  Der  glühendste  Hass  gegen  Rom  durchweht ­
  die  ganze  Schrift  Heerbrand’s,  und  sic  bezeichnet  den
Höhepunkt  der  Angriffe,  die  vom  theologischen  Standpunkte  aus
gegen  den  Kalender  gemacht  wurden.
Natürlich  fehlte  es  auch  nicht  an  Flugschriften  in  dieser
Angelegenheit.  So  wurde  anonym  jener  Absatz  der  Luther’schen
Schrift  ,von  den  Ooncilien',  der  über  den  Kalender  handelt  und
der,  wie  wir  gesehen  haben,  schon  von  mehreren  benutzt  wurde,
herausgegeben.  Der  Anonymus  fügt  demselben  eine  entsprechende
Einleitung  bei,  worin  er  die  Meinung  ausspricht,  der  Pabst
wolle  alle  Nationen,  die  noch  unter  seiner  Stockmeisterei  liegen,
von  den  Deutschen  in  Handel  und  Wandel  trennen  und  ausserdem ­
  Zwietracht  und  Hader  unter  ihnen  selbst  säen.  Auch  ,ein
Neujahrsgeschenk'  erhielten  1584  die  christlichen  Leser  in
einem  Gedichte,  in  welchem  der  Pabst  verglichen  wird  mit
dem  Athener  Cynesias, 1  der  darin  seine  Hauptbeschäftigung
sah,  das  zu  thun,  was  andere  Leute  nicht  thaten.  So  wolle
auch  der  Pabst  jetzt  die  ganze  Ordnung  des  Jahres  verwirren,
in  der  Absicht,  Zwietracht  zu  säen  und  Aergerniss  zu  erregen.
Der  Dichter  gibt  sich  übrigens  der  Hoffnung  hin,  dass  ihm
dies  nicht  gelingen  werde,  und  geht  dann  zu  der  sehr  nützlichen ­
  Beweisführung  über,  dass  Gregor  XIII.  der  wahre  Pabstesel
  sei.  Drollig  und  voll  des  derben  Witzes  jener  Zeit  ist  ,ein
kurtzweiliges  Gespräch  zweier  meissnerischer  Bauern
über  den  neuen  Bäpstischen  Kalender',  das  1584  zu
Dresden  gedruckt  wurde.  An  die  Spitze  desselben  sind  zwei
Verse  gestellt,  von  denen  der  eine  unbedingt  aus  älterer  Zeit
herrührt,  der  andere  dem  analogen  Verhältnisse  entsprechend
sich  auf  das  Jahr  1584  bezieht.  Sie  lauten:
a.  ,Bremenses  Asiui  clamabant  Resurexi
Cum  Populus  Dei  cantavit  Oculi  mei.‘
b.  ,Weun  wir  Bawrn  Oculi  mei  hau
Des  Bapst’s  Gesindt  ihr  Ostern  beghau. 1

1  Es  ist  hiemit  offenbar  der  Dythryrambendichter  Cinesias  gemeint  (vgl.  Aug.
Pauly  Real-Encyclopädie  der  klassischen  Alterthumswissensehaften).
            
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