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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kaltenbrnnner.

Antrieb  des  Pabstes,  und  wenn  auch  die  Obrigkeiten  keine
schlimmen  Hintergedanken  haben,  so  hat  sie  doch  der  Pabst,
was  von  ihm  und  seinen  Collegen  klar  bewiesen  worden  sei.
Also  würde  auch  Luther  in  diesem  Falle  gegen  die  Annahme
des  Kalenders  sprechen.  Leichter  wird  Heerbrand  mit  der
Augsburger  Apologie  fertig,  zumal  da  ihm  im  Eifer  die  Logik
abhanden  kommt.  Dieselbe  nennt  die  Feier  der  Feste  ,ordinationes
  politicaeh 1  Er  führt  nun  aus,  wie  griechisch  iroAutta
bedeute:  ,gubernatio,  regimen  et  quacumque  administratione
accipiturh  Diese  Verwaltung  aber  sei  eine  doppelte,  eine  weltliche ­
  und  eine  geistliche,  und  wenn  daher  von  einer  ordinatio
politica  die  Rede  sei,  so  werde  damit  nicht  gesagt,  dass  sie  in
den  Bereich  der  weltlichen  Obrigkeit  gehöre,  sondern  sie  könne
ebenso  gut  kirchliche  Angelegenheit  sein.  Jener  Ausdruck  besage ­
  also  nur,  dass  die  Festfeicr  keine  Glaubenssache  sei,  aber
eine  kirchliche  Angelegenheit  bleibe  sie  doch,  und  eine  solche
könne  von  der  Obrigkeit  nur  mit  Herbeiziehung  von  Theologen
behandelt  werden.  Nun  hätten  sich  aus  allbekannten  Gründen
die  protestantischen  Geistlichen  gegen  die  Annahme  des  Kalenders ­
  entschieden,  und  daher  stehe  es  der  weltlichen  Obrigkeit
nicht  zu,  ihnen  denselben  aufzudrängen.  Heerbrand  behauptet
also,  dass  die  an  sich  für  den  Glauben  gleichgültige  Frage  durch
die  aus  ihr  erwachsenden  Gefahren  und  die  sie  begleitenden
Nebenumstände  aus  dem  Bereiche  des  Adiaphoron  heraustrete.
Dazu  kommt  folgende  Erwägung:  Wenn  auch  der  Kalender
an  sich  Adiaphoron  ist,  so  gehört  zum  Wesen  desselben  gegenseitige ­
  Ucbereinkunft,  respective  Nachgiebigkeit  des  Stärkeren
gegenüber  dem  Schwächeren  in  einer  den  Glauben  nicht  berührenden ­
  Sache.  Hier  aber  ist  von  keiner  Uebereinkunft  die
Rede,  denn  der  Pabst  verständigte  von  Anfang  an  nur  die
katholischen  Fürsten  und  Universitäten,  und  er  befiehlt  unter
Androhung  des  Bannes  und  des  Zornes  der  Apostelfürsten,
und  so  tritt  von  Seite  der  Katholischen  Zwang  an  die  Stelle
des  Zugeständnisses,  was  überdies  auch  das  ,Mandamus'  und
der  Satz:  ,Nulli  ergo  omnino  hominum'  des  Bulle  deutlich
beweist.  Nehmen  also  die  Protestanten  den  Kalender  an,  so
machen  sie  sich  zu  Knechten  des  Pabstes  und  zu  Dienern  seiner

1  Artikel  28.
            
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