Die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform.
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geht Ossiander auf den ersten der im Titel angekündigten
Punkte über. Aus theologischen Gründen, deren Auseinandersetzung
man mir gerne erlassen wird, bestreitet er die Nothwendigkeit
der Reform, zumal da der Pabst lieber darauf sehen
sollte, seine Kirche als den Kalender zu reformiren. Indem
Ossiander von den Anmassungen des Antichrist in Rom spricht,
verdächtigt er den Pabst, dass er auch den Gestirnen gebieten
wolle, nach seinem Kalender zu gehen. Wenn aber etwa
Mathematiker demselben Fehler nachweisen sollten, wird man
zu Rom sagen, dass diese, nicht der Pabst fehlen. Zu dieser
Unordnung habe jedenfalls Josua Veranlassung gegeben, als er
Sonne und Mond stille stehen liess, hätte er sie damals ruhig
laufen lassen, so würden ihre Erscheinungen sicherlich mit dem
Gregorianischen Kalendei' übereinstimmen. Wie Maestlin schiebt
auch Ossiander der Curie unredliche Absichten unter; sie will
nach seiner Meinung unter den Reichsständen Zwietracht säen
und unter ihren Anhängern selbst sondiren; jene katholischen
Stände, die nicht allsogleich und bereitwillig den neuen Kalender
annehmen würden, werden von nun an von ihren geheimen
Plänen nicht mehr unterrichtet werden.
Bei diesen Gesinnungen ist es natürlich, dass Ossiander
dem Pabste das Recht streitig macht, die Reform vorzunehmen
und wieder ihm die evangelische Freiheit als Schild entgegenhält.
In Folge dessen ist es auch für Ossiander eine ausgemachte
Sache, dass die Evangelischen mit allen Kräften gegen
die Reform sich wehren müssen; wie aber sollen sich jene
Religionsgenossen verhalten, die unter katholischer Herrschaft
leben? Zunächst sollen auch sie sich auf ihre durch Verträge
geheiligte Freiheit berufen und die Annahme des Kalenders
verweigern. Sollte es aber soweit kommen, dass die Obrigkeit
mit Gewalt und Schliessung der Kirchen droht, so sollen sie
sich dem Zwange fügen; aber an den nun falsch gefeierten
Festtagen sollen die Prediger erklären, dass sie nur gezwungen
sich der Gewalt gefügt und dem römischen Antichrist auch in
diesem Punkte nicht unterworfen seien.
Dieser Rath Ossianders gewann praktische Bedeutung in
Steiermark; es ist nicht zu bezweifeln, dass das ganz in diesem
Sinne abgefassto Gutachten der Tübinger Universität an die
Stände dieses Landes unter dem Einfluss Ossiander’s abgefasst