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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalen  der  re  form.

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Nicaenischen  Concils  herzustellen,  denn  Christus  gelte  doch  mehr
als  dasselbe.  Hier  zeige  sich  so  recht  die  Wahrheit  der  früheren
Behauptung,  dass  es  dem  Pabste  nur  um  das  Brevier  und  Missal
und  um  seine  Herrschaft,  nicht  aber  um  die  allgemeine  Wohlfahrt ­
  zu  thun  sei.  Müssen  nun  wirklich  Tage  ausgelassen  werden,
so  möge,  man  doch  bis  1600  warten,  denn  bis  dahin  könne
Nutzen  und  Bedeutung  der  Reform  der  heran  wachsenden  Generation ­
  '  deutlich  gemacht  werden,  während  die  alten  Leute,  die
sich  schwer  in  neue  Verhältnisse  fügen  können,  grösstentheils
abgestorben  sein  werden;  auch  könnten  die  Astronomen  bis
dahin  der  Aenderung  in  ihren  Tafeln  Rechnung  tragen,  zumal
da  mit  1600  die  meisten  Ephemeriden  ablaufen.  In  Bezug  auf
den  Epactencyclus  muss  Maestlin  eingestehen,  dass  sein  Autor
,viele  subtile  Kunst'  angewendet  habe.  Ob  dies  aber  nützlich
und  nothwendig  sei,  möge  man  daraus  entnehmen,  dass  diese
Subtilitäten  meist  ihren  Nutzen  viele  hundert  Jahre  nach  dem
jüngsten  Tage  haben  werden.  Maestlin  fragt,  ob  also  Gott,  die
Engel  und  wir  in  der  ewigen  Herrlichkeit  auch  diesen  Kalender
werden  gebrauchen  müssen?  Ueberhaupt  fällt  es  ihm  auf,
dass  in  den  Schriftstücken  des  Pabstes  niemals  vom  jüngsten
Tage  die  Rede  ist,  und  er  meint  daraus  und  aus  dem  Ausdruck
,Kalendarium  perpetuum'  den  Schluss  ziehen  zu  dürfen,  dass
der  Pabst  und  seine  Anhänger  überhaupt  an  den  jüngsten  Tag
nicht  glauben.  Aber  abgesehen  von  allem  dem  fragt  es  sich,
ob  denn  diese  subtilen  Rechnungen  mit  dem  astronomischen
Calcül  stimmen,  oder  ob  trotz  derselben  Fehler  unterlaufen
können.  Da  macht  sich  nun  der  zweite  principielle  Gegensatz
bemerkbar:  denn  sobald  Maestlin  diese  Frage  beantworten  will,
muss  er  der  astronomischen  Zeitrechnung  das  Wort  gegenüber
der  cyclischen  reden.  Indem  es  Maestlin  gelingt,  an  bestimmten
Fällen  eine  Differenz  zwischen  beiden  Rechnungen  nachzuweisen,
fragt  er,  was  es  denn  für  einen  Sinn  hat,  astronomische  Subtilitäten ­
  in  den  Kalender  hineinzubringen,  wenn  man  auf  der
anderen  Seite  doch  eingestehen  muss,  dass  dieselben  nur  manchmal, ­
  aber  nicht  immer  richtig  sind.  Auch  findet  es  Maestlin
merkwürdig,  dass  man  nicht  die  zu  Grunde  gelegten  Tafeln
namentlich  angeführt  habe;  auf  jeden  Fall  müsse  mit  der  Annahme ­
  des  Kalenders  gewartet  werden,  bis  darüber  von  Rom
Aufklärung  gegeben  worden  sei;  denn  wenn  die  bisher  auf-
            
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