Die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform.
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sie überflüssig, denn man habe sich bisher ganz gut mit dem
fehlerhaften Kalender beholfen, durch einen neuen könne
höchstens Zwietracht entstehen. Für den Gottesdienst aber habe
überhaupt die Zeitrechnung keine Bedeutung, denn die Osterregel
sei kein Glaubensartikel und die unbeweglichen Feste
stehen in keinem Zusammenhang mit den Erscheinungen des
Sonnenjahres, in die man sie in den ersten christlichen Zeiten
gebracht hat. Alle diese Bedenken aber werden dadurch erhöht,
dass es sich gar nicht mehr lohnt, für die kurze Zeit, welche
die Welt noch bestehen wird, Unordnung und Zerrüttung durch
Aenderung der Zeitrechnung herbeizuführen; denn sicher rücke
das Ende der Welt nahe heran. 1 Die Tendenz der Schrift,
welche schon in diesem Abschnitte hervorleuchtet, zeigt sich
nun deutlich im zweiten Theile, in welchem Maestlin untersucht,
was denn von der Reform Gregor XIII. zu halten sei.
Er spricht dem Pabste das Recht zur Reform direct ab, und
übt an dem Vorgehen Gregor’s die härteste Kritik. Die Kalenderreform
sei kein politisch, sondern ein kirchlich Ding; wenigstens
fasse man sie in Rom so auf; dies zeige die fortwährende
Berufung auf das Concil von Nicaea und die Worte des Pabstes
in der Bulle ,Inter Gravissimas'. Es gilt daher für die Protestanten
ihre evangelische Freiheit, die ihnen durch geheiligte
Verträge gewährleistet ist, zu wahren; denn indem der Pabst
den neuen Kalender ,mandire', greife er ein in das kirchliche
und politische Leben der Nation. Im Besonderen tadelt Maestlin,
dass Gregor dabei auf die Evangelischen keine Rücksicht ge-1
Der Glaube an den nahen Weltuntergang spukte in der Reformationszeit
gewaltig. Nachdem der von Job. Stöffler aus astrologischen Gründen
vorhergesagte Weltkrach im Jahre 1524 nicht eingetreten war, (vgl. Vorgeseh.
d. Greg. Kal.-Ref. p. 390) übernahmen die Historiker das Geschäft der
Unglücksraben. Sleidanus (De quatuor summis imperiis libri tres Lib. III.)
und Melanehton-Peucer (Chronicon Carionis. Ep. dedicat.) benützten die
Prophetien Daniels für ihre geschichtsphilosophischen Dreehseleien, indem
sie die Weltgeschichte in ,periodi universales' zu je 500 Jahren (70 prophetische
Wochen. 1 Wochentag = 1 gemeinen Jahr) theilten. Ging die
Rechnung nicht zusammen, so musste der Zorn Gottes über das sündige
Treiben der Menschen die Periode abkürzen. Wenn nun gar der Antichrist
dazukam, der ja zweifellos in Rom sein Unwesen trieb, so war der
Weltuntergang jetzt, wo wieder eine solche Periode im Ablaufen war,
ganz sicher zu erwarten.
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