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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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K  a  11  e  n  b  r  u  n  n  e  r.

in  doppelter  Weise  vorgenommen  werden  sollte,  für  die  katholischen ­
  Stände  in  Mandaten  mit  Anführung  des  päbstliehen
Willens,  für  die  evangelischen  in  literae  clausae  ohne  diese
Beigabe.  Viehäuser  bespricht  in  seinem  Gutachten  ausführlich
diesen  Punkt  und  meint,  es  solle  durchweg  die  Publication  in
literae  clausae  ohne  Nennung  des  päbstliehen  Namens  geschehen.
Denn  für  den  Fall  mancher  Weigerung  würde  so  der  kaiserlichen ­
  Reputation  weniger  geschadet,  und  dann  besitze  ja  der
Kaiser  allen  Ständen  gegenüber  gleiche  Autorität,  die  durch
päbstliche  Einflussnahme  auch  gegenüber  den  katholischen  nicht
geschädigt  werden  solle.  Viehäuser’s  Ansicht  drang  auch  durch,
denn  ganz  in  seinem  Sinne  wurde  das  kaiserliche  Rundschreiben
vom  4./14.  September  abgefasst.  Vom  Pabste  ist  darin  mit  keinem
Worte  die  Rede,  sondern  die  Eingangsworte  lauten  folgendermassen:
  ,Derwegen  denn  unlängst  nit  allein  mit  unserm  vorwissen, ­
  sondern  auch  nit  weniger  auf  etlicher  unserer  als  anderer ­
  christlichen  Potentaten  und  Herrschaften  fürnemer  Mathematicorum
  vleissiges  nachdenkhen  vnd  gutachten  ein  Neues
Calendarium  verfasset  vnd  angerichtet  ist  worden'.  Und  nun
wird  der  Stellung  Deutschlands  inmitten  der  anderen  Reiche
gedacht,  aus  welcher  sich  mit  Nothwendigkeit  ergibt,  dass  es
Uniformität  in  der  Zeitrechnung  wegen  Handel  und  Verkehr
haben  müsse.  Demgemäss  wird  auch  die  kirchliche  Seite  der
Reform  —  Osterfeier  und  Heiligenfeste  —  vollständig  ausser
Acht  gelassen;  kurz  der  Wortlaut  ist  so  gehalten,  dass  auch
der  vorsichtigste  Protestant  an  ihm  keinen  Fehl  hätte  finden
können.
Wir  sind  nun  beim  entscheidenden  Schritte  des  Kaisers
angelangt,  aber  zugleich  auch  bei  einem  Wendepunkt  seines
Verhaltens.  Man  wird  seinem  bisherigen  Vorgehen  nicht  absprechen ­
  können,  dass  es  sicher  und  correct  gewesen  sei,  von
nun  an  kann  man  dies  nicht  mehr  behaupten.  Das  Rundschreiben ­
  gelangte  an  die  Churfürsten,  die  vornehmsten  geistlichen ­
  und  weltlichen  Grossen  und  an  mehrere  Städte  zur  Versendung, ­
  theilweise  aber  so  spät,  dass  manche  es  erst  nach
dem  5.  October  —  dem  Termin  der  Einführung  —  erhielten. 1

1  So  erhielt  selbst  Mainz  das  Rundschreiben  so  spät,  dass  dort  erst  im
November  der  Kalender  eingeführt  werden  konnte.
            
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