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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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Maestlin.  —  Ehe  ich  jedoch  diese  und  die  ihr  verwandten  Streitschriften ­
  bespreche,  will  ich  noch  kurz  das  weitere  Verhalten
des  Kaisers  bis  zur  definitiven  Entscheidung  darstellen.
Der  Februar-Termin  war  natürlich  wieder  verstrichen  und
schon  im  zweiten  Schreiben  an  den  Churfürsten  von  Sachsen
hatte  der  Kaiser  den  October  als  solchen  bezeichnet.  Bei  diesem
Beschlüsse  beharrte  er  denn  auch  trotz  der  ablehnenden  Haltung
Sachsen’s.  Die  Verhältnisse  drängten  eben  zu  einer  definitiven
Entscheidung;  vom  Pabste  erhielt  Rudolf  geradezu  eine  Rüge
über  sein  zögerndes  Verhalten,  und  da  mehrere  Bischöfe,  deren
Sprengel  in  die  österreichischen  Erblande  hineinreichten,  den
Kalender  im  Februar  eingeführt  hatten,  so  drohten  ernsthafte
Verwicklungen.  In  Ober-  und  Niederösterreich  wusste  allerdings
Erzherzog  Ernst  Ordnung  zu  halten,  indem  er  den  Bischof  von
Passau  zwang,  die  Publication  in  seinen  österreichischen  Pfarreien ­
  wieder  rückgängig  zu  machen;  um  so  mehr  hatte  Erzherzog ­
  Ferdinand  in  Tirol  zu  leiden,  zu  dessen  Gebiet  die
Sprengel  von  Trient  und  Augsburg  gehörten, 1  namentlich  von
den  Amtleuten  Südtirols  lief  Klage  auf  Klage  über  das  rücksichtslose ­
  Vorgehen  des  Cardinal  Madrucius  ein.  Ferdinand
drängte  daher  fortwährend  zuletzt  schon  durch  eigene  Couriere
den  Kaiser,  eine  Entscheidung  zu  treffen.  In  der  kaiserlichen
Kanzlei  war  man  nun  bemüht,  für  die  Publication  eine  Form
zu  finden,  die  nach  dem  Wunsche  des  Churfürsten  von  Sachsen
die  Ehre  des  Reiches  nicht  verletzen  konnte.  Auf  Befehl  des
Kaisers  erstatteten  die  beiden  Geheimen  Räthe  Harrach  und
Viehäuser  über  den  Modus  des  Ausschreibens  an  die  Stände
ihr  Gutachten.  Der  erstere  meint,  es  solle  die  Publication  in
der  Weise  verfasst  werden,  wie  es  die  Curie  wünschte,  jedoch
im  Namen  des  Kaisers  und  mit  Hinweglassung  des  Namens
des  Pabstes  und  alles  dessen,  was  in  der  Sache  mit  Rom  verhandelt ­
  worden  ist.  Der  in  diesem  Sinne  abgefasste  Entwurf
sollte  aber  nochmals  den  Churfürsten  zur  Begutachtung  vorgelegt ­
  werden,  und  wenn  sich  die  Mehrzahl  günstig  dafür  ausspreche, ­
  könne  Se.  Majestät  die  Publicirung  getrost  vornehmen.
Es  wurde  auch  die  Frage  aufgeworfen,  ob  nicht  das  Ausschreiben

1  Salzburg  und  Brixen  hatten  dagegen  auf  Ansuchen  Ferdinands  die  Publieation
  bis  October  verschoben.
            
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