Die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform.
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müsste. Der Cliurfürst schlägt vor, im Falle, dass die andern
Churfürsten sich überhaupt der Sache geneigt zeigen, eine Deputation
Zusammenkommen zu lassen, um über ein einhelliges
Vorgehen zu berathen; im andern Fall kann er dem Kaiser
nicht rathen, den Kalender zu publiciren. Am bedeutsamsten
ist aber ohne Zweifel die Antwort Brandenburg^; der Churfürst
erklärt sich vollständig einverstanden, wenn der Kaiser den
Kalender publicire, denn dann gehe das Werk von ihm und
nicht vom Pabste aus. Nur meint er, dass die Frist bis zum
Februar etwas kurz sein werde. Wie wenig der Churfürst an
einen Widerstand seitens seiner Glaubensgenossen dachte, beweist
der Umstand, dass er schliesslich dem Kaiser Rathschläge
über den Modus der Publication gibt; da die in Rom gedruckten
Exemplare des Kalenders nirgends zu bekommen seien, so
empfiehlt er, der Kaiser solle dieselben, versehen mit einer neuen
zweckmässigen Vorrede, nachdrucken und jedem der Stände
eins oder mehrere Exemplare zukommen lassen. Im Gegensatz
zu dieser zuvorkommenden und gewiss vernünftigen Haltung
Brandenburg’s liess die Antwort des Churfürsten von Sachsen
bereits ahnen, dass die Sache nicht glatt ablaufen werde. Es
ist sehr wahrscheinlich, dass dieselbe mit Zuziehung eines
Theologen abgefasst ist, denn sie strotzt von Gelehrsamkeit.
,Stets sei es Sache der Kaiser gewesen, die Zeitrechnung zu
bestimmen ; so habe Kaiser Julius (Caesar) den Kalender
reformirt und Kaiser Karl neue Monatsnamen eingeführt ;
auch zu Nicaea haben die Coneilsväter dem Kaiser Constantin
nicht vorgreifen wollen, denn nur dadurch ist es zu erklären,
dass sie nicht wieder den Kalender auf den Stand Christi
zurückgeführt haben; sie wollten eben die früheren Jahre als
kaiserliche Einrichtungen unverrückt lassen, und nur dem
Befehle Constantin’s gemäss den tobenden Osterstreit beseitigen.
Der Pabst habe also jetzt durchaus kein Recht, sich auf
dieses Concil zu berufen, denn damals und auch noch bis über
das Constanzer Concil hinaus stand der Pabst unter den versammelten
Vätern/ So sehr nun auch der Churfürst in der
Absicht des Kaisers dessen väterliche Fürsorge für das Reich
erkennt, so kommt ihm dieselbe doch bedenklich vor, nicht bloss
wegen der grossen Zerrüttung in kirchlichen und weltlichen
Dingen, sondern auch, weil dadurch leicht dem Pabste ein