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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Demosthenisclie  Studien.

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stellt  und  dem  Tadel  unterwirft,  wie  er  endlich  auf  seine  eigene
Verantwortlichkeit  hin  es  wagt,  in  die  widerwilligen  Bürger  zu
dringen,  dass  sie  die  schwere  Last  der  Steuern  und  persönlichen
Strapazen  auf  sich  nehmen.  Sein  beharrliches  Bestehen  auf
dieser  nämlichen  Verpflichtung,  das  den  leitenden  Staatsmännern
so  lästig  wie  dem  Volke  ward,  begegnet  uns  in  allen  seinen
philippischen  und  olynthischen  Reden  wieder.  Wir  hören  seine
Warnungen  in  einer  so  frühen  Zeit  gegeben,  wo  rechtzeitige
Vorkehrungen  so  leicht  auszuführen  gewesen  wären;  wir  bemerken ­
  seine  Ueberlegenheit  über  ältere  Staatsmänner,  wie
Eubulos  undPhokion  fn  der  besonnenen  Würdigung,  in  der  klugen
Voraussicht,  in  dem  Muthe,  unangenehme  Wahrheiten  auszusprechen'. ­
  Grote  findet  aber,  dass  er  auch  den  andern  Tlieil
staatsmännischer  Pflicht  glänzend  erfüllt,  ,nämlich  seine  Bürger
zu  einmüthigem  und  entschlossenem  Handeln  anzuhalten  und
sie  zu  jener  Höhe  der  Gesinnung  emporzuheben,  die  erforderlich
ist,  um  gegen  den  öffentlichen  Feind  nicht  bloss  zu  sprechen
und  zu  beschliessen,  sondern  auch  zu  handeln  und  zu  leiden'.
Die  erste  philippische  Rede  erscheint  ihm  als  ein  oratorisches
Meisterstück,  ,das  mit  Kraft  und  Unwiderstehlichkeit  an  die
Leidenschaften  appellirt,  das  Auditorium  auf  vielerlei  und  verschiedenen ­
  Wegen  zu  der  grossen  Ueberzeugung  führt,  die  der
Redner  ihm  beizubringen  und  einzuprägen  sucht,  durch  und
durch  von  echtem  panhellenischen  Patriotismus  durchweht  und
von  der  Würde  jenes  freien  Griechenlands,  das  jetzt  von  einem
Monarchen  von  Aussen  bedroht  wird,  erfüllt  ist'.  Es  ist  nur
eine  Wiederholung  und  Steigerung  dieses  bewundernden  Urtheils,
  welches  nicht  minder  dem  oratorischen  Effect,  als  der
staatsmännischen  Einsicht  gerecht  zu  werden  sucht,  zu  welchem
Grote  durch  die  olynthischen  Reden  sich  hingerissen  fühlt
(vgl.  263,  266,  270).
Es  kann  der  einsichtigen,  massvollen  Politik,  welche  die
erste  philippische  Rede  des  Demosthenes  vertritt,  kaum  ein
grösseres  Lob  gespendet  werden,  als  die  Worte  Schaefers  über
dieselbe  enthalten  (II  61):  ,Was  Demosthenes  zu  Ende  seiner
Rede  ausspricht,  dass  er  der  Wahrheit  die  Ehre  gibt,  unbekümmert ­
  darum,  ob  sie  auch  angenehm  zu  hören  ist,  weil  sie
allein  den  Staat  retten  kann,  das  ist  der  Eindruck,  den  die
ganze  Rede  in  uns  hinterlässt.  Sie  bekämpft  alles  eitle  Schein-
            
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