Demosthenisclie Studien.
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stellt und dem Tadel unterwirft, wie er endlich auf seine eigene
Verantwortlichkeit hin es wagt, in die widerwilligen Bürger zu
dringen, dass sie die schwere Last der Steuern und persönlichen
Strapazen auf sich nehmen. Sein beharrliches Bestehen auf
dieser nämlichen Verpflichtung, das den leitenden Staatsmännern
so lästig wie dem Volke ward, begegnet uns in allen seinen
philippischen und olynthischen Reden wieder. Wir hören seine
Warnungen in einer so frühen Zeit gegeben, wo rechtzeitige
Vorkehrungen so leicht auszuführen gewesen wären; wir bemerken
seine Ueberlegenheit über ältere Staatsmänner, wie
Eubulos undPhokion fn der besonnenen Würdigung, in der klugen
Voraussicht, in dem Muthe, unangenehme Wahrheiten auszusprechen'.
Grote findet aber, dass er auch den andern Tlieil
staatsmännischer Pflicht glänzend erfüllt, ,nämlich seine Bürger
zu einmüthigem und entschlossenem Handeln anzuhalten und
sie zu jener Höhe der Gesinnung emporzuheben, die erforderlich
ist, um gegen den öffentlichen Feind nicht bloss zu sprechen
und zu beschliessen, sondern auch zu handeln und zu leiden'.
Die erste philippische Rede erscheint ihm als ein oratorisches
Meisterstück, ,das mit Kraft und Unwiderstehlichkeit an die
Leidenschaften appellirt, das Auditorium auf vielerlei und verschiedenen
Wegen zu der grossen Ueberzeugung führt, die der
Redner ihm beizubringen und einzuprägen sucht, durch und
durch von echtem panhellenischen Patriotismus durchweht und
von der Würde jenes freien Griechenlands, das jetzt von einem
Monarchen von Aussen bedroht wird, erfüllt ist'. Es ist nur
eine Wiederholung und Steigerung dieses bewundernden Urtheils,
welches nicht minder dem oratorischen Effect, als der
staatsmännischen Einsicht gerecht zu werden sucht, zu welchem
Grote durch die olynthischen Reden sich hingerissen fühlt
(vgl. 263, 266, 270).
Es kann der einsichtigen, massvollen Politik, welche die
erste philippische Rede des Demosthenes vertritt, kaum ein
grösseres Lob gespendet werden, als die Worte Schaefers über
dieselbe enthalten (II 61): ,Was Demosthenes zu Ende seiner
Rede ausspricht, dass er der Wahrheit die Ehre gibt, unbekümmert
darum, ob sie auch angenehm zu hören ist, weil sie
allein den Staat retten kann, das ist der Eindruck, den die
ganze Rede in uns hinterlässt. Sie bekämpft alles eitle Schein-