Die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform.
499
der numeri aurei XIII und II, was aber auch schon von mittelalterlichen
Computisten — so von Paulus v. Middelburg — als
absurd erklärt wurde, da es im Wesen des neunzehnjährigen
Cyclus liege, dass erst nach Ablauf von 19 Jahren die Neumonde
wieder an denselben Kalendertagen eintreten. Um nun
dies zu vermeiden, unterschied Lilio zwischen 2 Epacten 0,
die er mit * und o) bezeichnet. Das arithmetische Verhältniss,
in welchem die Epacten in den Aequationstafeln zu einander
stehen — indem sie entweder um 11 steigen oder um 19
fallen — bringt es mit sich, dass nur in einem ganz bestimmten
Abstande der numeri aurei zwei unmittelbar arithmetisch aufeinanderfolgende
Epacten auftreten können. Das Verhältniss stellt
sich nun so, dass in einem Abstande von 11 immer die um
1 höhere Epacte eintritt, d. h. im numerus aureus XII erscheint
die Epacte um 1 grösser als im numerus aureus I und so fort
bis zur Grenze XIX und VIII. Umgekehrt aber ist es gar
nicht möglich, dass einer Epacte in der ersten Hälfte des
Mondcyclus die um 1 niedere in derselben Aequationstabelle
folgt, denn selbst für die Epacte des numerus I folgt die um
1 niedere erst im fingirten numerus aureus XX. Wenden wir
dies nun auf die Epacten 0 und XXIX an: (hiebei setzen wir
0 = XXX, denn arithmetisch sind sie in diesem Falle einander
vollkommen gleich). Nur in dem Falle, dass Epacte XXIX zu
einem numerus aureus kleiner als IX fällt, findet sich auch in der
Aequationstafel Epacte XXX (0); umgekehrt, wenn Epacte
XXX (0) in einem numerus aureus der ersten Hälfte des Cyclus
auftritt, erscheint Epacte XXIX nicht in derselben Tabelle.
Also nur im ersten Falle würde die zu vermeidende Culminirung
zweier Neumonde in 2 verschiedenen numeris aureis eintreten.
Daher setzt in diesem Falle Lilio die zweite Art von 0,
d. i. o> zu der vorherstehenden Epacte I, und natürlich erscheint
dann in einer solchen Aequationstafel ebenfalls dieselbe — mit
andern Worten, Lilio setzt den numeris aureis I—VIII (incl.) die
Epacte *, den späteren die Epacte o> bei. Im immerwährenden
Kalender aber erscheint folgendes Bild:
II.
1.0)
*XXIX
XXVIII.
32*