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Kaltenbrunner.
Hatte Lilio den Alphonsinischen Tafeln den Vorzug gegeben,
so legte man jetzt die Prutenischen zu Grunde, trotzdem
der Hauptarbeiter der Commission, Clavius, mit dem
Systeme ihres Urhebers Copernicus durchaus nicht einverstanden
war. 1 Die Ausscheidung von 10 Tagen wurde bekanntlich
auf den October 1582 festgesetzt. Mehrfachen Veränderungen
wurde sodann der Epactencyclus unterworfen, sowohl in
seiner Einschreibung im immerwährenden Kalender, als auch
in den Tabellen, welche für die einzelnen Aequationsperioden
die den nuineris aureis entsprechenden Epacten enthalten. Lilio
hat bekanntlich die dem Julianischen Kalender eingeschriebenen
Numeri aurei fallen lassen, weil sie in ihrer Art starr waren;
denn — sollten sie wirklich ein Bestandtheil des Calendarium
perpetuum sein, so konnte die allmälig in 310 Jahren zu 1 Tag
anwachsende Differenz zwischen solaren und lunaren Erscheinungen
nicht berücksichtigt werden. An ihre Stelle setzte nun
Lilio die Epacten, indem er vom 1. Jänner mit 0 beginnend,
abwechselnd 30 und 29 Tage weiterzählt und an den betroffenen
Tagen abermals Epacte 0 verzeichnet. Im December
angelangt, geht er wieder zurück auf den Jänner und verzeichnet
nun zu dem Tage, auf den er durch Weiterzählung
um 30 gelangt, Epacte XI (0 -)- 11), beim nächsten Uebergang
Epacte XXII (11 4- 11), dann Epacte III (22—19), alles dies
entsprechend dem Vorschreiten oder Zurückbleiben der lunaren
Erscheinungen über die solaren in den einzelnen Jahren des
neunzehnjährigen Cyclus. Durch diese Manipulation erhält
Lilio schliesslich zu allen Kalendertagen Zahlen, die sich also
von 0 (in diesem Falle = 30) bis 1 inclusive absteigende
Reihen dem Auge darstellen. Diese Epacten haben jetzt eine
ganz andere Bedeutung als früher im Julianischen Kalender;
dort bezeichnen sie das Mondalter des 22. März, hier sind sie
Bezeichnungswerthe für die Neumonde. Ihr arithmetisches Verhältniss
aber ist dasselbe, denn hier wie dort steigen sie
von einem Jahr zum nächsten um 11 auf, wenn ein lunares
1 Clavius urtheilt über das Copernikanische Sonnensystem bei Besprechung
der Prutenischen Tafeln, denen nicht vollkommene Richtigkeit
beizumessen sei, ,praesertim cum incertis hypothesibus nedum absurdis
et a communi hominum opinione abhorrentibus, ac quibus omnes Pliilosophi
naturales repugnant, fundatae sint‘.