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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform.

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Reform  ein,  aber  in  äusserst  schwerfälliger,  umständlicher  Weise,
so  dass  es  uns  nicht  Wunder  nehmen  kann,  wenn  derlei  Arbeiten
von  der  Commission  nicht  berücksichtigt  wurden.
Nachdem  die  Commission  in  Rom  mit  der  principiellen
Annahme  des  Lilio’schen  Werkes  und  der  Abfassung  und
Verschickung  des  Compendium’s  den  ersten  Abschnitt  ihrer
Thätigkeit  vollendet  hatte,  arbeitete  sie  rüstig  weiter,  um  die
Durchführung  des  Reformwerkes  zu  ermöglichen.  Ob  die  vielen
eingesandten  Werke  und  Gutachten  Beachtung  fanden,  ist  sehr
zweifelhaft,  denn  Clavius  nimmt  in  seinen  Werken  auf  keines
derselben  auch  nur  mit  einem  Worte  Bezug.  Dagegen  wurde
neben  der  Fassung  von  definitiven  Beschlüssen  in  jenen  Fragen,
welche  Lilio  noch  offen  gelassen  hatte,  auch  der  Epactencyclus
einer  durchgreifenden  Revision  unterzogen  und  in  einigen
Punkten  abgeändert.  Am  24.  Februar  endlich  des  Jahres  1581/2
erliess  Pabst  Gregor  XIII.  die  Bulle  ,Inter  Gravissimas'  in
feierlicher  Form,  und  nun  wurden  von  Seite  der  Curie  die
grössten  Anstrengungen  gemacht,  die  Annahme  der  Reform
möglichst  zu  beschleunigen,  was  denn  auch  in  den  rein  katholischen ­
  Reichen  und  in  Frankreich  sehr  gut  gelang.  Neben  der
Bulle  wurden  die  ,Canones  in  Kalendarium  Gregorianum  perpetuum'
  verschickt,  die  uns  nun  etwas  zu  beschäftigen  haben
werden,  deshalb  weil  sie  die  Grundlage  des  jetzigen  Kalenders
bilden,  und  weil  sie  doch  noch  nicht  so  gewürdigt  sind,  als  es
geschehen  sollte. 1  Diese  Canones  nun  sind  sehr  kurz  gefasst;
eine  Begründung  der  Reform  enthalten  sie  fast  gar  nicht;  in
dieser  Beziehung  wird  mehrmals  verwiesen  auf  den  demnächst
erscheinenden  ,liber  novae  rationis  restituendi  Kalendarii',  der
aber  niemals  ausgegeben  wurde.  Erst  1603  veröffentlichte
Clavius  an  dessen  Stelle  die  ,Explicatio  Romani  Kalendarii  a
Gregorio  XIII.  restituti'.

1  So  bringt  selbst  Ideler  den  Immerwährenden  Gregorianischen  Kalender
ungenau,  indem  er  die  gleich  unten  anzuführenden  Details  übersieht.
In  neuerer  Zeit  (1869)  ist  der  Gregorianische  Kalender  durch  Fr.  Attensberger
  weitläufig  auseinandergesetzt  worden;  doch  ohne  grosses  Glück,
denn  der  Verfasser  mischt  Uebersetzung  der  Explicatio  des  Clavius  und
seine  eigene  Darstellung  so  wirr  durcheinander,  dass  man  aus  dem
206  Seiten  zählenden  Buche  wenig  Belehrung  schöpfen  kann.
            
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