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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Kalte  nkunner.

oder  erst  im  Laufe  der  Jahre  beigezogen  wurden,  als  der  Plan
gereift  war,  auf  Grund  des  Vorschlages  Lilio’s  den  Kalender,  zu
reformiren.  1577  hatte  Antonio  das  Werk  eingereicht  und
Anfang  1578  war  es  zu  Rom  entschieden,  dass  Aloisio  Lilio
unter  die  Unsterblichen  eingereiht  werden  solle.  Das  Werk
Lilio’s  wurde  nicht  gedruckt,  sondern  seine  Prüfung  und  Benützung ­
  fand  am  Manuscripte  statt.  Dagegen  wurde  daraus
ein  Auszug  gemacht,  und  derselbe  den  katholischen  Fürsten
und  Universitäten  zur  Begutachtung  überschickt.  Als  Grund
dieses  Vorgehens  wird  von  Gregor  selbst  der  Wunsch  angegeben, ­
  das  Reformwerk  möglichst  zu  beschleunigen.
Dieser  Auszug  führt  den  Titel:  ,Compendium  novae  rationis
  restituendi  KalendariF  und  wahrscheinlich  wurde  auch
er  nur  handschriftlich  versandt,  denn  ich  finde  nirgends  eine
Nachricht  über  seinen  Druck,  und  auch  nur  in  diesem  Falle
hat  es  einen  Sinn,  wenn  Clavius  in  der  Vorrede  zu  seiner
,Explicatio‘  schreibt,  er  habe  das  Compendiüm  seinem  Werke
vorgesetzt,  ,tum  ut  apud  posteros  eius  (Lilii)  memoria  relinquatur,
  tum  vero  maxime,  ut  Omnibus  pateat,  quid  in  eo  ab
iis,  quibus  cura  commissa  fuit  Kalendarii  emendandi,  mutatum
  sit‘.
Betrachten  wir  nun  das  Compendiüm,  so  erweist  sich  das
Werk  Lilio’s  nicht  angethan,  dass  auf  Grund  desselben  sogleich
die  Reform  hätte  vorgenommen  werden  können.  Seine  Hauptbedeutung ­
  liegt  in  dem  Epactencyclus,  der  ohne  Zweifel  die  beste
Art  der  Mondrechnung  angibt,  die  bisher  aufgestellt  worden
war.  Im  Uebrigen  ist  die  Arbeit  ganz  so,  wie  alle  früheren
Tractate,  in  welchen  alle  möglichen  Arten  der  Correctur  aufgezählt ­
  werden,  wobei  sich  der  Autor  begnügt,  der  einen  oder
andern  seinen  Beifall  zu  spenden.  So  gibt  Lilio  den  Alphonsinischen
  Tafeln  gegenüber  den  Prutenischen  den  Vorzug,  ,quia
earum  mensura  inter  varias  media  est,  atque  ideo  errori  minus
obnoxia - ';  aber  er  trägt  daneben  auch  dem  Copernikanischen
Jahresansatze  Rechnung.  In  noch  weniger  präciser  Weise  entscheidet ­
  sich  Lilio  über  den  Modus  der  acuten  Reform  —  so
möchte  ich  die  Auslassung  einer  Anzahl  von  Tagen  behufs
Coi-rectur  des  Sonnenjahres  nennen.  Wenn  er  auch  entschieden
das  Aequinoctium  vernum  auf  den  Stand  zur  Zeit  des  Nicaenischen
  Concils,  also  auf  den  21.  März,  hergestellt  wissen  will,
            
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