Die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform.
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Wunsch nach Reform, der sich unter Pius Y. in so wenig
zutreffender Weise manifestirt hatte, auch seinen Nachfolger
Gregor XIII. beseelte. Aber mehr können wir nicht annehmen
— wir haben keine Nachricht, dass von ihm jemand angeregt
worden wäre, abermals an die Lösung des Problems zu gehen.
Inzwischen aber arbeitete ein Arzt in Süditalien — Aloisio
Lilio 1 —■ 10 Jahre daran, einen Cyclus zu construiren, der
möglichst dem alten adaequat, doch so viel verjüngende Kraft
in sich selbst besitzt, auch für die kommenden Zeiten Gültigkeit
zu haben. Es war dem Manne nicht beschieden, die
Früchte seiner Arbeit reifen zu sehen; er hinterliess das fertige
Manuscript seinem Bruder Antonio, der dasselbe bei der
päbstlichen Curie einreichte mit der Bitte, es prüfen zu lassen
und das Privilegium zum Druck zu ertheilen. Gregor XIII.
legte die Arbeit gerade in Rom anwesenden Mathematikern
vor, und unter ihnen war schon Clavius, der fortan die Seele
des Unternehmens wurde; auch Vincentio Laureo wird uns
namentlich angeführt.
Wir haben über diese Vorgänge sehr magere Nachrichten;
selbst Pietro Maffei in seinen Annali di Gregorio XIII., 2 der
über die Einführung des Kalenders in den einzelnen Ländern
werthvolle Aufschlüsse gibt, berichtet über die Vorgänge in
der Commission sehr wenig. In derselben waren ausser den
beiden schon genannten Männern der Cardinal Sirlet, der
nach Ranke 3 den grössten Einfluss auf die Sache ausübte,
dann der Spanier Ciaconius und Ignazio Danti; doch wissen
wir nicht, ob dieselben gleich zu Anfang von Gregor berufen
1 Ueber die Lebensumstände des Mannes besitzen wir äusserst spärliche
Notizen. Selbst sein Geburtsort wird verschieden angegeben. Jedoch ist
dip Angabe des Cardinal Noris (Tratato sopra il cicle Ravennate) und
Riceioli’s (Almagestum Novum), dass er ein Veronese sei, nicht haltbar
gegenüber Clavius (Romani Calendarii Explicatio) und Pietro Maffei
(Annali di Gregorio XIII.), welche ihm Ziro in Calabrien als Geburtsort
zuweisen. Dem stimmen auch Neuere bei, so Tiraboschi (Storia d. letter.
Ital. VII. 1. pag. 390) und die Biographie Universelle.
2 Pietro Maffei: Degli Annali di Gregorio XIII. dati in luce da Carlo
Cocquelines. Rom 174-2. Tom. II. pag. 270.
3 Ranke: Die Römischen Päpste I. 428. Dafür spricht auch, dass dem
Cardinal mehrere anlässlich der Reform abgefasste Schriften gewidmet
wurden.