lieber die Endsilben der altnordischen Sprache.
425
Wenn aus sekkva, g-ot. sigqan, sölckva (unser Laut ö) wird, so
ist auch nur die dem e zunächst stehende Vertiefung’ gewählt,
o läge dem u, v näher.
Es könnten also sowohl u, v als auch die l-, r-Verbindungen
ein e der vorhergehenden Silbe zunächst zu ea, ia verändert
haben. — Ob nicht die sonderbare Schreibung der Inschrift von
Istaby II, HaeruwulafiR, auf ea deutet? Zu Grunde liegt
offenbar hiörr, s. Hiörülfr. Allerdings auch haera, altn. her,
Björkethorp II. Wie ist EirilaR Vaeblungsnaes I statt des
gewöhnlichen Erilali zu deuten?
Wenn aus diesen ia iö wurde, so ist dies ein Fortschritt
der Assimilation, vor l-, r-Verbindungen vielleicht bedingt
durch veränderte Articulation dieser Liquiden.
Gegen J. Schmidt’s Annahme sprechen auch die componierten
Nomina, welche gewöhnlich ia zeigen. So von biörk
Biarlcey, von fiödr bei Cleasby 6 Beispiele wie fiadrhamr, von
giöf 10 Beispiele wie giafvinr, von Mord 6 Beispiele wie
Mardhundr, von iörd 52 Beispiele wie iardfe, von ini'öll 2 Beispiele
wie mialllivitr, von biörn 14 Beispiele wie biarnskinn,
von hiörtr 3 Beispiele wie Martskinn, von ki'ölr 3 Beispiele wie
kialtre — daneben kiölsyja, — von niördr, Niörär 4 Beispiele
wie NiardviJc, von hiörr 42 Beispiele wie hiörddmr, von miöl
10 Beispiele wie miölbelgr, von miöctr 5 Beispiele wie miöcTdrykkja.
Miöctr ist ««-Stamm, hiörr, miöl m-Stämme. Letztere
stehen allerdings vereinzelt, aber ««-Stämme waren auch biörn,
hiörtr, kiölr, niördr, skiöldr. Ein Gesetz lässt sich wohl nicht
abnehmen. Aber deutlich ist, dass, wenn wir auch in den
ersten Bestandtheilen der Composita eine ursprünglichere Wortform
erwarten dürfen, als wo sie als einfache Wörter auftreten,
doch in einzelnen Fällen die ursprüngliche Gestalt gegen die
gegenwärtige Nomiuativform aufgegeben worden sein kann.
Aber wie man dazu kam, wenn N. Sg. immer biörn, giöf lautete,
biarnskinn, giafvinr zu sagen, lässt sich nicht begreifen.
Wie will J. Schmidt ferner siau erklären. Ich kann in
siau für sibun neben siö nur eine erstarrte Form sehen, in der
ia trotz des folgenden u geblieben ist.
Das Verhältniss von siau zu siö erinnert an die Orthographie
einer norwegischen Handschrift aus dem Anfang des
vierzehnten Jahrhunderts, die Liliencron Zs. 7, 5G8 beschrieben