Ueber die Endsilben der altnordischen Sprache.
387
gotischer Vertreter des alten ä kurzes a, entsprechend nord. a
in erster, i in dritter Periode, mit Ausnahme des Auslautes,
wo nord. u herrscht.
Also altn. landu (N. A. PI.) I, lönd III, got. landa,
altn. Hindu (N. A. PI. Neut.) I, blind III, got. blinda,
altn. giafu (N. Sg.) I, giöf III, got. giba,
altn. blindu (N. Sg. Fern.) I, blind III, got. blinda,
altn. [faru (1. Sg.)] I, [/er] III, got. fara,
altn. hana (N. Sg.) I, hani III, got. hana,
altn. fadar (N. Sg.) I, fadir III, got. fadar,
altn. tamida (3. Sg.) I, tamdi III, got. tamida;
Aber altn. [giafo (A. Sg.)] I, [giöf] III. got. giba,
altn. blindo (A. Sg. Fern.), I, blinda III, got. blinda,
altn. tamido (1. Sg.) I, tamda III, got. tamida.
Uebermässiges ä zeigt auch im got. noch langen Vocal,
der entweder wie nord. wahrscheinlich schon sehr früh zu 6
gefärbt worden ist —• oder aber zunächst d blieb —• vgl. das
oben S. 384 vermuthungsweise angesetzte altn. tamidär —
später aber den Weg zu e einschlägt. A und ö wird einst
geschwankt haben und dieses Schwankens bediente man sich
zur Differenzierung der Formen. — Beiden Sprachen gemeinsam
ist übermässiges d in 1. Sg. Prs. Ind., 2. Sg. Prs. Imp. der
dritten schwachen Conjugation, im G. PI., im N. Sg. der -an und
der neut. an-Stämme, im N. PI. der masc. a- und der a-Stämme,
ebenso im G. Sg. A. PI. der a-Stämme, in den Adverbien auf
got. -ö und den Comparativadverbien auf gotisch -6s.
Also altn. kallö (1. Sg.) I, lcalla III, got. salbo,
altn. manno (G. PI.) I, manna III, got. manne,
altn. dago (G. PI.) I, daga III, got. dage,
altn. giafo (G. PI.) I, giafa III, got. gibd,
altn. tungo (N. Sg.) I, tunga III, got. tuggb,
altn. augo (N. Sg.) I, auga III, got. augo,
altn. dagor (N. PI.) I, dagar III, got. dagos,
altn. giaför (G. Sg. N. A. PI.) I, giafar III, got. gibos,
altn. aptor (Adv. Comp.) I, aptar III, got. -leikos,
altn. -likö (Adv.) I, -liga III, got. -leiko.
Das nordische zeigt nun in seinem A. Sg. Fern, blinda,
der in I ein 6 voraussetzt, dass im nord. wenigstens ä in am
des A. Sg. als übermässig aufgefasst wurde, dass also der A. Sg.
26*