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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hume-Studien.  I.

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zwar  nicht  in  der  Zahl  der  Theile,  wie  Locke  meinte,  sondern
im  Verhältniss  der  Vorstellungselemente  zu  einander  und  zum
vorstellenden  Subjecte,  —  aber  der  Unterschied  zwischen  diesen
Begriffen,  den  concreten  einerseits,  den  von  uns  abstract  genannten ­
  andererseits,  ist  unverkennbar.  Nach  Mill’s  eigener
Theorie  ist  demgemäss  ,die  Allgemeinheit  nicht  nur  ein  Attribut
der  Namen,  sondern  sie  ist  auch  ein  Attribut  der  Ideen.  Die
äusseren  Objecte  sind  alle  individuell,  aber  jedem  Namen  entspricht ­
  ein  allgemeiner  Begriff',  —  das  ist  aber  wörtlich  genau
die  Charakteristik,  welche  Mill  selbst 1  von  den  Conceptualisten
  entwirft,  zu  deren  Gegnern  er  sich  bekennt.
Es  versteht  sich,  dass,  wenn  es  sich  bei  der  ganzen  Angelegenheit ­
  nur  um  Namen  handelte',  eine  eingehende  Erörterung ­
  hier  um  so  weniger  motivift  gewesen  wäre,  als  sich  ja
die  Anwendung  der  Bezeichnung  ,Nominalismus',  für  die  Mill
eine  begreifliche  Vorliebe  haben  konnte,  auf  seine  Theorie  in
gewissem  Sinne  wenigstens  rechtfertigen  liesse.  Aber  dieser
Sinn  wäre  eben  einer,  den  sonst  weder  J.  St.  Mill  selbst  noch
jemand  Anderer  gewöhnlich  mit  diesem  Worte  verbindet,  und
darum  kann  die  Behauptung,  Mill  sei  ein  Nominalist,  auch  wenn
sie  von  ihm  selbst  ausgeht,  nicht  anders  als  irrig  genannt
werden.
Das  Eine  scheint  also  ausser  Frage:  Auf  J.  St.  Mill’s
Ansichten  über  Abstraction  und  Verallgemeinerung  hat  Hume
keinen  nennenswerthen  Einfluss  zu  gewinnen  vermocht.  Sollte
es  mit  den  übrigen  Anhängern  des  Nominalismus  ebenso  bewandt, ­
  sollte  für  sie  Hume’s  Theorie  wirklich  so  überwunden
sein,  dass  nichts  auf  ihn  zurückweist,  als  etwa  der  Name,  den
sie  sich  beilegen?
Man  könnte  in  der  Meinung,  dass  dem  so  sei,  durch  eine
Bemerkung  A.  Bain’s  noch  bestärkt  werden.  ,Wir  sind  fähig/
sagt  dieser, 2  ,auf  die  Punkte  der  UebereinStimmung  ähnlicher
Dinge  zu  achten,  und  die  Differenzpunkte  zu  vernachlässigen;
so  wenn  wir  an  das  Licht  leuchtender,  oder  an  die  Rundheit
runder  Körper  denken,  —  diese  Kraft  heisst  Abstraction'.  Aber
1  Examination,  a.  a.  O.  S.  359  f.
2  Mental  and  moral  Science  b.  II  ch.  V  §.  2  S.  176.
            
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