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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Meinong.

Ununterscheidbarkeit  des  Identischen  herbeigezogen  hat.  Aber
es  muss  selbst  bezüglicli  dieses  Satzes  sehr  fraglich  erscheinen,
ob  Hume  durch  ihn,  ob  er  nicht  vielmehr  im  Gegensätze
zu  ihm  das  eben  dargestellte  Resultat  erreichte.  Zwar  hält  ihn
Hume,  wie  wir  sahen,  fortwährend  aufrecht,  er  erklärt  wiederholt ­
  Farbe  und  Gestalt  als  identisch  und  ununterscheidbar;
wie  es  dann  aber  möglich  ist,  dass  zwischen  Farbe  und  Gestalt
nun  doch,  und  wäre  es  auch  durch  die  complicirteste  Gedankenoperation, ­
  eine  Unterscheidung  erfolgen  kann,  das  ist  ein  Räthsel,
zu  dessen  Lösung  uns  Hume  nicht  verholfen  hat,  dessen  Lösung
zu  finden  wohl  auch  niemand  Anderer  im  Stande  wäre.
Hier  liegt  also  jedenfalls  ein  Widerspruch;  aber  noch  ein
Anderes  muss  hervorgehoben  werden.  In  dem  Beispiel  von
Kugeln  und  Würfel  ist  von  dem  Wahrnehmen  zweier  verschiedener ­
  Aehnlichkeiten  die  Rede.  Zwar  spielt,  wie  wir  sahen,
auch  in  der  Hume’schen  Abstractionstheorie  die  Aehnlichkeit
eine  grosse  Rolle;  indessen  haben  wir  uns  stets  bemüht,  an
den  betreffenden  Stellen  diese  Relation  zwar  als  associationserregendes ­
  Factum  in  Betracht  zu  ziehen,  die  Vorstellung
der  Aehnlichkeit  aber  aus  dem  Spiele  zu  lassen.  Der  Grund
dafür  war  einfach:  Erwies  sich  der  Grad  einer  Qualität  von
dieser,  die  Qualität  selbst  von  dem  mit  ihr  behafteten  Körper  als
weder  verschieden  noch  unterscheidbar  noch  trennbar,  so  musste
dasselbe  von  einer  Relation  und  deren  Fundamenten  gelten;
man  konnte  also  nach  Hume  höchstens  zwei  ähnliche  Dinge,
aber  niemals  Aehnlichkeiten  vorstellen.  Noch  weniger  war
an  die  Möglichkeit  zu  denken,  Ideen  von  Relationen  zwischen
Attributen  zu  bilden;  und  da  solche  wohl  nöthig  wären,  um
ein  Ding  mit  mehreren  andern  in  verschiedener  Hinsicht
ähnlich  zu  finden,  so  glaubten  wir  diese  Möglichkeit,  auch  wo
sie  zu  Gunsten  Hume’s  in  Rechnung  gezogen  werden  konnte,
ausser  Acht  lassen  zu  müssen.  Wie  nun,  wenn  die  uns  früher
unmöglich  erscheinende  Annahme  nun  die  Grundlage  zur  Erklärung ­
  der  distinctio  rationis  wird?  Sicher  ist,  dass  dieser
Umstand  allein  nichts  dazu  beitragen  kann,  unsere  früheren
Bedenken  zu  beseitigen;  im  Gegentheil  tritt  hier  noch  ein
Moment  hinzu,  durch  das  diese  Erklärungsweise  vollends  unstatthaft ­
  wird:  Um  zu  einem  Unterschiede  zwischen  Gestalt
und  gestaltetem  Körper  zu  gelangen,  müssen  wir,  wie  dargethan,
            
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