Ilume-Studien. I.
237
eoncret erwiesenen Ideen dennoch allgemeine Bedeutung haben
können. Seine Erklärungshypothese ist oben fast ganz in extenso
vorgeführt worden, und zwar aus einem Grunde, der,
nachdem dieselbe schon wiederholt anstandslos dargestellt
worden ist, vielleicht in einer für den Verfasser nicht eben
günstigen Weise auffallen mag. Es ist ihm nämlich trotz
redlicher Mühe nicht gelungen, darüber, wie sich Hmne eigentlich
den oben beschriebenen Vorgang denkt, volle Klarheit zu
gewinnen, und auch die hier ziemlich cursorischen Referate
Jodl’s 1 und Pfleiderer’s 2 haben ihm die dunklen Punkte nicht zu
erhellen vermocht. Sollte an dieser Unklarheit nun doch Hume
selbst die Schuld tragen, so leuchtet wohl ein, dass wenigstens
dies zu constatiren eine unerlässliche Aufgabe einer jeden
Kritik sein müsste.
Der Ausgangspunkt seiner Theorie ist zunächst noch vollkommen
verständlich: wir benennen ähnliche Gegenstände mit
demselben Wort. Hume hätte sich zur Unterstützung dieser
Aufstellung auf das Gesetz der Association durch Aehnlichkeit
berufen können, welches vollkommen begreiflich erscheinen
Hesse, dass, wenn wir einen Gegenstand benannt haben und ein
ihm ähnlicher uns begegnet, wir ganz von selbst den ersteren
Gegenstand, und dann mittelbar auch das für diesen eingeführte
Wort reproduciren; von da aus liegt es nahe genug,
auch für den zweiten Gegenstand dasselbe Wort zu verwenden.
Aus der mittelbaren Association wird so eine unmittelbare,
und diese mag sich leicht allmälig auf eine ganze Reihe
gleichartiger Objecte erstrecken. Hören wir nun den Namen,
so tritt uns eine der associirten Individualvorstellungen ins Bewusstsein,
und zwar die, welche aus irgend welchen zufälligen
Gründen sich eben als nächste darbietet. Wie verhält es sich
aber mit den andern, gleichfalls associirten Ideen? Sie sind
uns, sagt Hume, nicht wirklich, sondern nur facultativ gegenwärtig.
Aber seit wann? — erst seit der erneuten Nennung des
Namens? Nach Hume’s Darstellung scheint das gemeint; muss
aber nicht eine Disposition, die fraglichen Individuen vorzustellen,
schon Vorgelegen haben, wenn sie eventuell mit Hilfe
1 Leben und Lehre David Hnme’s S. 33 f.
2 Empirismus und Skepsis S. 123ff.