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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hurae-Studien.  I.

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sein,  dass  sie  im  Gegentheil  falsch  ist.  Denn  nennt  man  individuell ­
  alles  das,  was  entweder  selbst  ein  Individuum  ist,  oder
sich  nur  auf  ein  Individuum  beziehen  kann,  so  fallen  unter
diesen  Begriff  zwar  alle  Einzeldinge;  dagegen  gibt  es  aber
kein  einziges  Attribut,  das,  für  sich  allein  betrachtet,  nur  von
einem  Individuum  ausgesagt  werden  könnte.  Trotzdem  sind
die  Attribute  nicht  minder  wirklich  als  die  Dinge,  an  denen
sie  haften;  es  kann  somit  durchaus  nicht  Alles  in  der  Natur
individuell  genannt  werden.
Man  sieht,  wie  immer  man  Hume’s  Beweis  wendet,  immer
tritt  bald  ein  formeller  Fehler,  bald  ein  materieller  Irrthum
zu  Tage.  Welche  von  den  beiden  hier  versuchten  Auffassungen ­
  auch  dem  schottischen  Philosophen  vorgeschwebt
haben  mag,  in  jedem  Falle  scheint  dabei  eine  Aequivocation
im  Spiele.  Im  ersten  Falle  läge  sie,  wie  schon  bemerkt,  im
Worte  ,object';  im  zweiten  Falle  läge  mindestens  nahe,  in  dem
Worte  ,everything‘  die  Ursache  der  Täuschung  zu  suchen,  das,
sobald  man  es  mit  ,every  thing (  gleichsetzt,  leicht  eine  irreführende ­
  Nebenbedeutung  annehmen  kann.
Aber  es  liegt  noch  ein  sehr  beträchtliches  Versehen  in
diesem  Beweise.  Was  wir  im  Vorhergehenden  der  Kürze  halber
einfach  als  zweite  Prämisse  bezeichneten  und  übrigens  ganz
ununtersucht  Hessen,  soll  ja  selbst  aus  dem  ersten  Satze  gefolgert ­
  sein.  Allein  wie  kann  sich  der  zweite  Satz  aus  dem
ersten  ergeben,  selbst  wenn  wir  diesen  so  interpretiren,  dass
er  eine  Wahrheit  aussagt?  Wenn  es  absurd  ist,  ein  Ding  in
der  Natur  anzunehmen,  dessen  Qualität  und  Quantität  nicht
graduell  bestimmt  wäre,  wenn  man  demnach  jedes  Ding  als
ein  in  dieser  Weise  Determinirtes  vorstellen  muss,  folgt  daraus,
dass  auch  jede  Idee  von  einem  solchen  Dinge  alle  diese
Bestimmungen  mit  Nothwendigkeit  an  sich  trägt?  Das  anzunehmen, ­
  wäre  eben  so  verfehlt  wie  die  von  uns  schon  früher
zurückgewiesene  (und  sich  theilweise  damit  deckende)  Behauptung: ­
  weil  das  Individuum  unendlich  viele  Merkmale  habe,
müsse  auch  der  Inhalt  des  Individu'albegriffes  unendlich  gross
sein. 1  Ueberdies  ist,  wie  wir  auch  schon  hervorzuheben  Ge-1

  Hume’s  Irrtlmm  drückt  sich  am  prägnantesten  in  dem  Satze  aus,  der  dieses
Argument  beschliesst:  ,Now  as  ’tis  impossible  to  form  an  idea  of  an
            
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