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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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M  e  i  n  o  n  g.

beiden  möglichen  Interpretationen  Einwände  aufrecht  bleiben
müssen.
Aber  sehen  wir  nun  des  Näheren  zu,  wie  es  um  die  Beweiskraft ­
  der  drei  Argumente  bestellt  ist,  die  Hume  zu  Grünsten
seiner  negativen  Behauptung  vorführt.
Schon  der  Satz,  mit  dem  Hume  seinen  ersten  Beweis  eröffnet, ­
  und  der  auch  in  späteren  Partien  des  Treatise  wiederholte ­
  Anwendung  findet,  scheint  höchst  bedenklich.  Wie  sollen
wir  die  Gleichsetzung  des  Verschiedenen  mit  dem  Unterscheidbaren ­
  verstehen?  Heisst  unterscheidbar  das,  was  unter  Voraussetzung ­
  einer  unbegrenzten  Empfindlichkeit  der  Sinne  selbst
für  die  geringsten  Differenzen  nicht  als  gleich  betrachtet  werden
könnte?  Ist  dies  der  Fall,  so  ist  der  Satz  tautologisch  und
praktisch  unbrauchbar,  —  wo  nicht,  so  ist  er  falsch,  man  wollte
denn  behaupten,  dass  z.  B.  die  Nebelflecke,  die  bekanntlich
W.  Herschel  sämmtlich  für  Sternsysteme  hielt,  damals  alle  ganz
gleichartig  waren,  und  erst  durch  Anwendung  der  Spectralanalyse
  zu  ihrer  Erforschung  sich  einige  von  ihnen  in  glühende
Gase  verwandelt  haben.
Weit  wichtiger  als  dieser  erste  Satz  ist  aber  für  den
Beweis  die  sich  unmittelbar  an  jenen  schliessende  Behauptung,
alles  Unterscheidbare  könne  getrennt  werden.  Man  kann  sich
im  ersten  Augenblick  einer  gewissen  Verwunderung  darüber
nicht  erwehren,  dass  eine  Polemik  gegen  das  Vorhandensein
von  Abstractis  ein  so  umfassendes  Zugeständniss  gegen  die
Abtrennungstheorie  im  Locke’schen  Sinne  enthält,  wie  es  heute
kaum  ein  Vertheidiger  der  Abstraction  in  Anspruch  nehmen
möchte,  ■-  ein  Hinweis  auf  die  schon  berührten  Fälle  der  sogenannten ­
  untrennbaren  Association  genügt,  die  Tragweite  dieser
Concession  anschaulich  zu  machen.  Gleichwohl  folgert  Hume
daraus  für  sich,  und  zwar  in  ganz  correcter  Weise,  so  dass,  falls
die  Beispiele,  die  er  anführt,  genügen,  gegen  den  Schluss  nichts
(wenigstens  nichts  zu  Gunsten  der  Trennbarkeit)  einzuwenden  ist.
Kann  man  aber  einräumen,  dass  die  bestimmte  Länge
einer  Linie  von  dieser  selbst  weder  verschieden  noch  unterscheidbar ­
  sei?  Sind  Länge  und  Linie  nicht  verschieden,  so
sind  sie  dasselbe,  —  mit  der  Länge  ist  also  die  Linie  gegeben;
ob  sie  übrigens  gerade  oder  krumm  ist,  ob  sie  in  dieser  oder
            
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