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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hume-Studien.  I.

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wollten  wir  jedoch  auf  Grund  dessen  behaupten,  jedes  Dreieck
habe  gleiche  Winkel,  so  käme  uns  sog-leieh  irgend  ein  gleichschenkliges ­
  oder  ungleichseitiges  Dreieck  in  den  Sinn.  Geschieht
nichts  dergleichen,  so  beruht  dies  auf  einer  Unvollkommenheit
der  Geistesfähigkeiten,  die  dann  leicht  zu  falschen  Urtheilen
Anlass  gibt.  Doch  kommt  solches  meist  nur  bei  abstrusen  und
complicirten  Ideen  vor,  —  iii  der  Regel  ist  im  Gegentheil  die
Gewohnheit  so  fest,  dass  sogar  dieselbe  Idee  an  verschiedene ­
  Worte  geknüpft  sein  kann,  ohne  dass  die  Gefahr  einer
Verwirrung  vorläge.  So  könnte  z.  B.  bei  den  Worten:  Figur,
geradlinige  Figur,  regelmässige  Figur,  Dreieck,  gleichseitiges ­
  Dreieck  uns  immer  die  Idee  ein  und  desselben  gleichseitigen ­
  Dreieckes  vorschweben.
,Ehe  derlei  Gewohnheiten  gehörig  ausgebildet  sind,  mag
das  Gemütli  vielleicht  nicht  damit  zufrieden  sein,  die  Idee  nur
eines  Individuums  zu  bilden,  sondern  vielleicht  über  mehrere
hineilen,  um  sich  selbst  seine  Meinung  und  den  Umfang  der
Collection  klar  zu  machen,  die  es  mit  dem  allgemeinen  Ausdrucke ­
  bezeichnen  will.  Um  den  Sinn  des  Wortes  Figur  zu
fixiren,  betrachten  wir  im  Geiste  die  Ideen  von  Kreisen,  Quadraten, ­
  Parallelogrammen,  Dreiecken  von  verschiedenen  Grössen
und  Proportionen,  und  lassen  es  nicht  bei  einem  Bilde,  oder
einer  Idee  bewenden.  Wie  dem  aber  auch  sein  mag,  gewiss
ist,  dass  wir  die  Idee  von  Individuen  bilden,  wann  immer  wir
irgend  welche  allgemeine  Ausdrücke  gebrauchen,  dass  wir  selten
oder  nie  diese  Individuen  erschöpfen  können,  und  dass  die,
welche  übrig  bleiben,  nur  durch  den  Habitus  repräsentirt  werden,
durch  welchen  wir  sie  uns  ins  Gedächtniss  rufen,  wann  immer
eine  sich  eben  ergebende  Gelegenheit  es  erfordert/ 1
Der  einzige  Punkt,  der  Hume  bei  dieser  Erklärung  nicht
ohne  Schwierigkeit  scheint,  ist  eben  die  Gewohnheit,  die  hier
eine  so  wichtige  Rolle  spielt.  Aber  da  es  unmöglich  wäre,  die
Seelenthätigkeiten  auf  ihre  letzten  Ursachen  zurückzuführen,
so  ist  ein  Act  dos  Geistes  genügend  erklärt,  wenn  man  andere
Acte  aufweist,  welche  ihm  analog  sind  oder  ihn  unterstützen.
Zu  diesem  Ende  weist  Hume  darauf  hin,  dass  auch  sonst  sich
oft  ein  Plabitus  an  ein  einziges  Wort  knüpft,  z.  B.  die  Erinne-
            
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