Hume-Studien. I.
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wollten wir jedoch auf Grund dessen behaupten, jedes Dreieck
habe gleiche Winkel, so käme uns sog-leieh irgend ein gleichschenkliges
oder ungleichseitiges Dreieck in den Sinn. Geschieht
nichts dergleichen, so beruht dies auf einer Unvollkommenheit
der Geistesfähigkeiten, die dann leicht zu falschen Urtheilen
Anlass gibt. Doch kommt solches meist nur bei abstrusen und
complicirten Ideen vor, — iii der Regel ist im Gegentheil die
Gewohnheit so fest, dass sogar dieselbe Idee an verschiedene
Worte geknüpft sein kann, ohne dass die Gefahr einer
Verwirrung vorläge. So könnte z. B. bei den Worten: Figur,
geradlinige Figur, regelmässige Figur, Dreieck, gleichseitiges
Dreieck uns immer die Idee ein und desselben gleichseitigen
Dreieckes vorschweben.
,Ehe derlei Gewohnheiten gehörig ausgebildet sind, mag
das Gemütli vielleicht nicht damit zufrieden sein, die Idee nur
eines Individuums zu bilden, sondern vielleicht über mehrere
hineilen, um sich selbst seine Meinung und den Umfang der
Collection klar zu machen, die es mit dem allgemeinen Ausdrucke
bezeichnen will. Um den Sinn des Wortes Figur zu
fixiren, betrachten wir im Geiste die Ideen von Kreisen, Quadraten,
Parallelogrammen, Dreiecken von verschiedenen Grössen
und Proportionen, und lassen es nicht bei einem Bilde, oder
einer Idee bewenden. Wie dem aber auch sein mag, gewiss
ist, dass wir die Idee von Individuen bilden, wann immer wir
irgend welche allgemeine Ausdrücke gebrauchen, dass wir selten
oder nie diese Individuen erschöpfen können, und dass die,
welche übrig bleiben, nur durch den Habitus repräsentirt werden,
durch welchen wir sie uns ins Gedächtniss rufen, wann immer
eine sich eben ergebende Gelegenheit es erfordert/ 1
Der einzige Punkt, der Hume bei dieser Erklärung nicht
ohne Schwierigkeit scheint, ist eben die Gewohnheit, die hier
eine so wichtige Rolle spielt. Aber da es unmöglich wäre, die
Seelenthätigkeiten auf ihre letzten Ursachen zurückzuführen,
so ist ein Act dos Geistes genügend erklärt, wenn man andere
Acte aufweist, welche ihm analog sind oder ihn unterstützen.
Zu diesem Ende weist Hume darauf hin, dass auch sonst sich
oft ein Plabitus an ein einziges Wort knüpft, z. B. die Erinne-