Hume-Studien. I.
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1. Was verschieden ist, ist unterscheidbar, was unterscheidbar,
ist auch in der Vorstellung- trennbar; und umgekehrt:
was trennbar, ist auch unterscheidbar und daher verschieden.
Um zu entscheiden, ob bei der Abstraction eine
Trennung überhaupt vor sich gehen kann, muss daher nur
ermittelt werden, ob das, was bei einer allgemeinen Idee abstrahirt
wird, von dem, was als Wesen Zurückbleiben soll, auch
unterscheidbar und verschieden ist. Nun ist z. B. die bestimmte
Länge einer Linie von der Linie selbst, der bestimmte Grad
einer Qualität von der Qualität selbst so wenig verschieden
als unterscheidbar, es kann somit auch von keiner Trennung
die Rede sein. 1
2. Es ist anerkannt, dass uns keine Impression zum Bewusstsein
kommt, sie wäre denn bezüglich des Grades der
Qualität und Quantität bestimmt; das Gegentheil enthielte eine
contradictio in terminis. Ideen sind aber Copien von Impressionen,
die sich von diesen nur durch ihre geringere Intensität
unterscheiden; auch sie müssen daher graduell determinirt
sein. 2
3. Jedermann räumt ein, dass Alles in der Natur individuell
ist, und dass es absurd wäre, ein reales Dreieck ohne
bestimmte Dimensionen anzuerkennen. Was in der Realität
absurd ist, muss es auch in der Idee sein, denn nichts ist
unmöglich, wovon sich eine klare und deutliche Vorstellung
bilden lässt. Es ist ferner dasselbe, die Idee eines Gegenstandes
oder eine Idee schlechtweg zu bilden, denn die Beziehung
der Idee auf ein Object ist nur eine äusserliche Benennung,
die nicht im Wesen der Idee begründet ist. Ist es
also unmöglich, die Idee eines Gegenstandes zu bilden ohne
graduelle Bestimmung, so gilt dasselbe auch von einer Idee
überhaupt. 3
Alle abstracten Ideen sind somit an sich individuell;
gleichwohl können sie im Denken ebenso angewendet werden,
als wenn sie allgemein wären; — darauf geht der positive
Theil von Hume’s Behauptung.
1 ibid. S. 326.
2 ibid. S. 327, auch b. I p. III sect. I (a. a. O. S. 375).
3 ibid. S. 327.