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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hume-Studien.  I.

221

1.  Was  verschieden  ist,  ist  unterscheidbar,  was  unterscheidbar, ­
  ist  auch  in  der  Vorstellung-  trennbar;  und  umgekehrt: ­
  was  trennbar,  ist  auch  unterscheidbar  und  daher  verschieden. ­
  Um  zu  entscheiden,  ob  bei  der  Abstraction  eine
Trennung  überhaupt  vor  sich  gehen  kann,  muss  daher  nur
ermittelt  werden,  ob  das,  was  bei  einer  allgemeinen  Idee  abstrahirt
  wird,  von  dem,  was  als  Wesen  Zurückbleiben  soll,  auch
unterscheidbar  und  verschieden  ist.  Nun  ist  z.  B.  die  bestimmte
Länge  einer  Linie  von  der  Linie  selbst,  der  bestimmte  Grad
einer  Qualität  von  der  Qualität  selbst  so  wenig  verschieden
als  unterscheidbar,  es  kann  somit  auch  von  keiner  Trennung
die  Rede  sein. 1
2.  Es  ist  anerkannt,  dass  uns  keine  Impression  zum  Bewusstsein ­
  kommt,  sie  wäre  denn  bezüglich  des  Grades  der
Qualität  und  Quantität  bestimmt;  das  Gegentheil  enthielte  eine
contradictio  in  terminis.  Ideen  sind  aber  Copien  von  Impressionen, ­
  die  sich  von  diesen  nur  durch  ihre  geringere  Intensität ­
  unterscheiden;  auch  sie  müssen  daher  graduell  determinirt
  sein. 2
3.  Jedermann  räumt  ein,  dass  Alles  in  der  Natur  individuell ­
  ist,  und  dass  es  absurd  wäre,  ein  reales  Dreieck  ohne
bestimmte  Dimensionen  anzuerkennen.  Was  in  der  Realität
absurd  ist,  muss  es  auch  in  der  Idee  sein,  denn  nichts  ist
unmöglich,  wovon  sich  eine  klare  und  deutliche  Vorstellung
bilden  lässt.  Es  ist  ferner  dasselbe,  die  Idee  eines  Gegenstandes ­
  oder  eine  Idee  schlechtweg  zu  bilden,  denn  die  Beziehung ­
  der  Idee  auf  ein  Object  ist  nur  eine  äusserliche  Benennung, ­
  die  nicht  im  Wesen  der  Idee  begründet  ist.  Ist  es
also  unmöglich,  die  Idee  eines  Gegenstandes  zu  bilden  ohne
graduelle  Bestimmung,  so  gilt  dasselbe  auch  von  einer  Idee
überhaupt.  3
Alle  abstracten  Ideen  sind  somit  an  sich  individuell;
gleichwohl  können  sie  im  Denken  ebenso  angewendet  werden,
als  wenn  sie  allgemein  wären;  —  darauf  geht  der  positive
Theil  von  Hume’s  Behauptung.

1  ibid.  S.  326.
2  ibid.  S.  327,  auch  b.  I  p.  III  sect.  I  (a.  a.  O.  S.  375).
3  ibid.  S.  327.
            
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