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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hume  -  Studien.  I.

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Berkeley  ihre  Allgemeinheit  den  an  sie  geknüpften  Ausdrücken
verdanken.  Schon  oben  1  wurde  dargethan,  dass  nichts  in  Berkeley’s
  Ausführungen  auf  einen  Zusammenhang  zwischen  Worten
und  allgemeinen  Ideen  hinweist;  dass  aber  vollends  Hume’s
Interpretation  den  Intentionen  des  Irländers  geradezu  widerstreitet, ­
  ergibt  sich  leicht  aus  folgender  Erwägung:  Gegen  Ende
der  oft  citirten  Einleitung  in  die  Abhandlung  über  die  Principien
  der  menschlichen  Erkenntniss  lesen  wir:  ,Weil  demgemäss
Worte  so  leicht  den  Geist  zu  täuschen  vermögen,  so  werde  ich,
welche  Ideen  auch  immer  ich  betrachte,  versuchen,  sie  gleichsam ­
  bloss  und  nackt  anzuschauen,  indem  ich  aus  meinem
Denken,  so  weit  ich  es  vermag,  jene  Benennungen  entferne, ­
  welche  eine  lange  und  beständige  Gewohnheit  so  eng
mit  ihnen  verknüpft  hat  .  .  .‘ 2  Ein  solches  ,Denken  ohne
Benennungen',  das  doch  wohl,  wie  jedes  wissenschaftliche
Denken,  Allgemeinbegriffe  voraussetzt,  wäre  nun  aber  nach
Hume  schlechterdings  unmöglich;  nach  seiner  Meinung  werden
ja  die  particulären  Ideen  erst  durch  die  an  sie  geknüpften
Worte  allgemein.  Werden  daher  diese  von  den  Ideen  getrennt,
so  haben  letztere  ihre  Allgemeinheit  verloren  und  niemand
könnte  begreifen,  wie  Berkeley  davon  Vortheil  für  seine  wissenschaftlichen ­
  Untersuchungen  erwarten  mochte.  Es  erhellt  daraus
in  völlig  evidenter  Weise,  dass  Hume  in  die  Berkeley’sche  Lehre
ein  dieser  völlig  fremdes  Moment  hineingetragen  hat.
Eine  ganz  andere  Frage  ist  natürlich  die,  ob  dieses  neue
Moment  nicht  zugleich  einen  wesentlichen  Fortschritt  auf  dem
von  Berkeley  betretenen  Weg  in  sich  schliesst,  sobald  man  von
seinem  Streben,  die  Begriffe  von  den  Worten  zu  emancipiren,
absieht.  Eines  wenigstens  ist,  noch  ehe  man  Hume’s  Argumente ­
  kennt,  aus  der  blossen  Formulirung  seiner  These  zu
entnehmen:  die  wesentlichsten  Lücken  der  Berkeley’schen
Aufstellungen  sind  hier  ausgefüllt.  Das  Verhältniss  zwischen
allgemeinen  Worten  und  allgemeinen  Ideen  ist  wenigstens  in

Ideen,  während  Hume’s  wie  Berkeley’s  Angriffe  nur  gegen  die  Abstracta
gehen.  Aber  vielleicht  haben  wir  es  hier  nur  mit  einer  kleinen  Ungenauigkeit ­
  im  Ausdruck  zu  thun,  wie  der  Schluss  der  Ausführung  (S.  125
in  der  Mitte)  wahrscheinlich  macht.
1  S.  189  in  der  Note.
2  a.  a.  O.  sect.  21.
            
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