Hume - Studien. I.
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Berkeley ihre Allgemeinheit den an sie geknüpften Ausdrücken
verdanken. Schon oben 1 wurde dargethan, dass nichts in Berkeley’s
Ausführungen auf einen Zusammenhang zwischen Worten
und allgemeinen Ideen hinweist; dass aber vollends Hume’s
Interpretation den Intentionen des Irländers geradezu widerstreitet,
ergibt sich leicht aus folgender Erwägung: Gegen Ende
der oft citirten Einleitung in die Abhandlung über die Principien
der menschlichen Erkenntniss lesen wir: ,Weil demgemäss
Worte so leicht den Geist zu täuschen vermögen, so werde ich,
welche Ideen auch immer ich betrachte, versuchen, sie gleichsam
bloss und nackt anzuschauen, indem ich aus meinem
Denken, so weit ich es vermag, jene Benennungen entferne,
welche eine lange und beständige Gewohnheit so eng
mit ihnen verknüpft hat . . .‘ 2 Ein solches ,Denken ohne
Benennungen', das doch wohl, wie jedes wissenschaftliche
Denken, Allgemeinbegriffe voraussetzt, wäre nun aber nach
Hume schlechterdings unmöglich; nach seiner Meinung werden
ja die particulären Ideen erst durch die an sie geknüpften
Worte allgemein. Werden daher diese von den Ideen getrennt,
so haben letztere ihre Allgemeinheit verloren und niemand
könnte begreifen, wie Berkeley davon Vortheil für seine wissenschaftlichen
Untersuchungen erwarten mochte. Es erhellt daraus
in völlig evidenter Weise, dass Hume in die Berkeley’sche Lehre
ein dieser völlig fremdes Moment hineingetragen hat.
Eine ganz andere Frage ist natürlich die, ob dieses neue
Moment nicht zugleich einen wesentlichen Fortschritt auf dem
von Berkeley betretenen Weg in sich schliesst, sobald man von
seinem Streben, die Begriffe von den Worten zu emancipiren,
absieht. Eines wenigstens ist, noch ehe man Hume’s Argumente
kennt, aus der blossen Formulirung seiner These zu
entnehmen: die wesentlichsten Lücken der Berkeley’schen
Aufstellungen sind hier ausgefüllt. Das Verhältniss zwischen
allgemeinen Worten und allgemeinen Ideen ist wenigstens in
Ideen, während Hume’s wie Berkeley’s Angriffe nur gegen die Abstracta
gehen. Aber vielleicht haben wir es hier nur mit einer kleinen Ungenauigkeit
im Ausdruck zu thun, wie der Schluss der Ausführung (S. 125
in der Mitte) wahrscheinlich macht.
1 S. 189 in der Note.
2 a. a. O. sect. 21.