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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

David  Hume  schliesst  sich  in  seinem  ersten  und  umfangreichsten ­
  Werke,  dem  ,Treatise  concerning  human  nature',  das
wir  hier  zunächst  allein  in  Betracht  ziehen,  bezüglich  der  Abstractionsfrage
  ausdrücklich  an  Berkeley’s  Forschungen  an;  er
nennt  das  Resultat  derselben  ,eine  der  werthvollsten  Entdeckungen, ­
  welche  in  den  letzten  Jahren  in  der  Republik  der  Wissenschaften ­
  gemacht  worden  sind',  und  stellt  sich  nur  die  Aufgabe,
diese  Entdeckung  durch  einige  neue  Argumente  völlig  ausser
Zweifel  zu  setzen. 1  Durch  diese  Erklärung,  die  an  Deutlichkeit
nichts  zu  wünschen  übrig  lässt,  scheint  das  Verhältniss  der
beiden  Denker  zu  einander  in  klarster  Weise  festgestellt;  und
wirklich  hat  man  niemals  Bedenken  getragen,  Ilume’s  Abstractionstheorie
  als  einfache  Wiederholung  und  höchstens  Neubegründung
  der  Berlteley’schen  zu  bezeichnen,  —  auch  der
neueste  und  wohl  gründlichste  Darsteller  der  Hume’schen  Philosophie, ­
  E.  Pfleiderer 2  macht  hierin  keine  Ausnahme.
Aber  trotzdem  möchte  es  vielleicht  nicht  rathsam  sein,
auf  Grund  dessen,  was  Hume  selbst  über  seine  Beziehungen
zu  Berkeley  sagt,  die  Art,  in  der  er  die  Ansicht  Berkeley’s
wiedergibt,  ganz  und  gar  zu  vernachlässigen.  Berkeley,  sagt
er,  ,hat  behauptet,  alle  allgemeinen  Ideen  seien  nichts  als  particuläre,
  geknüpft  an  einen  bestimmten  Ausdruck,  der  ihnen
eine  ausgedehntere  Bedeutung  verleiht  und  bewirkt,  dass  sie
bei  Gelegenheit  andere  Individuen,  die  ihnen  ähnlich  sind,  ins
Gedächtniss  rufen'. 3  Ist  dies  nun  wirklich  Berkeley’s  Ansicht? 4
Wenn  wir  diese  oben  richtig  dargestellt  haben,  so  liegt  der
Unterschied  auf  der  Hand.  Richtig  ist,  dass  nach  Berkeley
wie  nach  Hume  die  allgemeinen  Ideen  particuläre  Ideen  mit
allgemeiner  Bedeutung  sind; 5  falsch  ist  aber,  dass  sie  nach

1  Treatise,  book  I  part.  I  sect.  VII  in  der  neuen  vierbändigen  Ausgabe
von  T.  II.  Green  und  T.  H.  Grose  (The  philosophical  works  of  David
Hume,  London  1874)  Bd.  I,  S.  325.
2  Empirismus  und  Skepsis  in  David  Hume’s  Philosophie,  Berlin  1874,  S.  123.
3  Treatise  a.  a.  O.
4  F.  Jodl  (Leben  und  Philosophie  David  Hume’s,  Halle  1872,  S.  33)  reproducirt
  Hume’s  Auffassung  kurzweg  als  die  Berkeley’s,  aber  er  hat  unterlassen, ­
  dafür  auch  nur  eine  Belegstelle  aus  Berkeley  anzuführen.
s  Darum  dürfte  Pfleiderer  irren,  wenn  er  (a.  a.  0.  S.  122  letzte  Zeile)
behauptet,  Hume  leugne  Geltung  oder  Vorhandensein  allgemeiner
            
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