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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Meinong.

zum  Theil  mit  Rücksicht  auf  diese  Frage,  dass  wir  des  Irländers
Aufstellungen  über  allgemeine  Namen  in  das  Bereich  unserer
Darstellung  und  Kritik  zogen,  —  nun  haben  wir  das  Material
vor  uns,  die  Entscheidung  wird  also  rasch  erfolgen  können.
Man  hat  sich  so  sehr  gewöhnt,  Berkeley  als  einen  der
hervorragendsten  Begründer  des  modernen  Nominalismus  zu
betrachten,  dass  man  gar  nichts  Auffallendes  darin  findet,  wenn
z.  B.  Hamilton  ihn  kurzweg  den  ,zweiten  grossen  Nominalisten*
nennt, 1  oder  Kuno  Fischer  den  Satz  ausspricht:  ,Unter  den
neueren  Philosophen  ist  die  nominalistische  Denkweise  einheimisch, ­
  aber  sie  ist  von  Keinem  so  sehr  in  den  Vordergrund
aller  philosophischen  Betrachtung  gerückt,  so  grundsätzlich
geltend  gemacht  worden  als  von  Berkeley*. 2  In  der  That,  dass
alle  nominalistischen  Theorien  dieses  wie  des  vorigen  Jahrhunderts ­
  an  Berkeley  anknüpfen,  ist  sicher;  aber  das  allein
könnte  doch  wohl  nicht  ausreichen,  um  ihü  selbst  als  Nominalisten ­
  zu  erweisen.  Blickt  man  dagegen  auf  seine  Lehre,
so  stellen  sich  dem  Nachweis  sofort  Hindernisse  entgegen.
Freilich,  wer  mit  Hamilton  jene  Ansicht  nominalistisch  nennt,
die  behauptet,  ,dass  jeder  Begriff,  für  sich  betrachtet,  particulär
ist,  aber  allgemein  wird  durch  die  Intention  des  Gemüthes,
ihn  jeden  ihm  ähnlichen  Begriff  repräsentiren  zu  lassen*, 3  der
muss  mit  ihm  auch  den  irischen  Philosophen  in  die  Classe  der
Nominalisten  einreihen,  und  Alles  ist  in  diesem  Falle  klar
und  gerechtfertigt,  nur  nicht  der  Name  Nominalist  selbst,  da
die  Worte  bei  einer  solchen  Theorie  gar  keine  wesentliche
Rolle  spielen.  Daher  dürfte  es  sich  mehr  empfehlen,  mit
J.  St.  Mill  unter  Nominalisten  jene  zu  verstehen,  die  ,behaupten,
es  gebe  nichts  Universelles  als  Namen*; 4  und  nun  muss  sogleich
jedem  einleuchten,  dass  Berkeley  in  diese  Classe  nicht  gehört,
denn  er  kennt  zwar  allgemeine  Namen,  aber  er  kennt  auch,
wie  wir  fänden,  allgemeine  Ideen.  Allerdings,  insofern  es  bei
ihm  Erkenntnisse  gibt  durch  Worte,  denen  gar  keine  Ideen
zu  Grunde  liegen,  insofern  ist  er  Nominalist  bis  zu  einem

1  Lect.  vol.  II  S.  305.
2  Francis  Bacon  S.  703.
3  a.  a.  O.  vol.  II,  S.  297.
4  Examination,  ch.  XVII,  a.  a.  O.  S.  359.
            
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