210
Mei n on g.
begriffe concret genannt werden können, so folgt nun von
selbst, dass zwar alle Allgemeinbegriffe abstract, nicht aber
alle Abstracta allgemein sind. Wie stellt cs nun aber mit
dem scheinbar so plausiblen Gesetz vom umgekehrten Verhältniss,
in dem Umfang und Inhalt der Begriffe sich verändern
sollen?
Wird auch der Umfang eines einfachen Begriffes als unendlich
gross zugegeben, so ist doch noch gar nicht abzusehen,
warum nicht auch ein complexer Begriff unendlich viele Objecte
unter sich begreifen könnte, auch wenn es deren weniger
sein sollen als die, welche der einfache Begriff umfasste. Aber
bezüglich dos Inhaltes der Individualbegriffe lässt sich schon
das Zugeständniss der Unendlichkeit in keiner Weise machen.
Ein Begriff mit unendlich vielen Merkmalen wäre eine Forderung,
die die Grenzen unserer Fassungskraft wohl weit
überstiege; übrigens haben wir schon bei den conereten Individualvorstellungen
nur eine beschränkte Zahl von Merkmalen
antreffen können, — dass von den abstracten Individualien dasselbe
nur noch in erhöhtem Grade gilt, braucht kaum hervorgehoben
zu werden. Wir denken zwar das Individuum als
mit unendlich vielen (wenn auch uns unbekannten) Attributen
ausgestattet, aber die Vorstellung von etwas Unendlichem hat
doch sicher nicht selbst unendlich viele vorgestellte Bestandtheile.
Zum Ueberfluss dürfte sich, wenn man nun einmal
diese Attribute ins Auge fasst, schwerlich ein Grund angeben
lassen, warum mehrere Individuen nicht auch in einer v
unendlichen Zahl von Attributen übereinstimmen könnten
(das Zusammentreffen von Raum- und Zeitbestimmung natürlich
ausgenommen). Hat ein Individuum wirklich unendlich
viele Merkmale, und lässt man davon die (endlich vielen) seine
Individualität voraussetzenden weg, so ist der Rest immer noch
unendlich gross und kann ohne Widerspruch als allgemein
gelten.
Wir haben ferner gefunden, dass Individualbegriffe, die
doch alle gleichen Umfang haben, sehr verschieden grossen
Inhalt aufweisen können. Auch liegt es auf der Hand, dass
es Fälle gibt, wo ein Zuwachs oder eine Abnahme bezüglich
des Inhaltes eines Begriffes den Umfang ganz unverändert
lässt, nämlich, wenn man einem Gattungs- oder Artbegriff ein