Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

210

Mei  n  on  g.

begriffe  concret  genannt  werden  können,  so  folgt  nun  von
selbst,  dass  zwar  alle  Allgemeinbegriffe  abstract,  nicht  aber
alle  Abstracta  allgemein  sind.  Wie  stellt  cs  nun  aber  mit
dem  scheinbar  so  plausiblen  Gesetz  vom  umgekehrten  Verhältniss,
  in  dem  Umfang  und  Inhalt  der  Begriffe  sich  verändern
sollen?
Wird  auch  der  Umfang  eines  einfachen  Begriffes  als  unendlich ­
  gross  zugegeben,  so  ist  doch  noch  gar  nicht  abzusehen,
warum  nicht  auch  ein  complexer  Begriff  unendlich  viele  Objecte ­
  unter  sich  begreifen  könnte,  auch  wenn  es  deren  weniger
sein  sollen  als  die,  welche  der  einfache  Begriff  umfasste.  Aber
bezüglich  dos  Inhaltes  der  Individualbegriffe  lässt  sich  schon
das  Zugeständniss  der  Unendlichkeit  in  keiner  Weise  machen.
Ein  Begriff  mit  unendlich  vielen  Merkmalen  wäre  eine  Forderung, ­
  die  die  Grenzen  unserer  Fassungskraft  wohl  weit
überstiege;  übrigens  haben  wir  schon  bei  den  conereten  Individualvorstellungen ­
  nur  eine  beschränkte  Zahl  von  Merkmalen
antreffen  können,  —  dass  von  den  abstracten  Individualien  dasselbe ­
  nur  noch  in  erhöhtem  Grade  gilt,  braucht  kaum  hervorgehoben ­
  zu  werden.  Wir  denken  zwar  das  Individuum  als
mit  unendlich  vielen  (wenn  auch  uns  unbekannten)  Attributen
ausgestattet,  aber  die  Vorstellung  von  etwas  Unendlichem  hat
doch  sicher  nicht  selbst  unendlich  viele  vorgestellte  Bestandtheile.
  Zum  Ueberfluss  dürfte  sich,  wenn  man  nun  einmal
diese  Attribute  ins  Auge  fasst,  schwerlich  ein  Grund  angeben ­
  lassen,  warum  mehrere  Individuen  nicht  auch  in  einer  v
unendlichen  Zahl  von  Attributen  übereinstimmen  könnten
(das  Zusammentreffen  von  Raum-  und  Zeitbestimmung  natürlich ­
  ausgenommen).  Hat  ein  Individuum  wirklich  unendlich
viele  Merkmale,  und  lässt  man  davon  die  (endlich  vielen)  seine
Individualität  voraussetzenden  weg,  so  ist  der  Rest  immer  noch
unendlich  gross  und  kann  ohne  Widerspruch  als  allgemein
gelten.
Wir  haben  ferner  gefunden,  dass  Individualbegriffe,  die
doch  alle  gleichen  Umfang  haben,  sehr  verschieden  grossen
Inhalt  aufweisen  können.  Auch  liegt  es  auf  der  Hand,  dass
es  Fälle  gibt,  wo  ein  Zuwachs  oder  eine  Abnahme  bezüglich
des  Inhaltes  eines  Begriffes  den  Umfang  ganz  unverändert
lässt,  nämlich,  wenn  man  einem  Gattungs-  oder  Artbegriff  ein
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.